südostasien

Südostasien ist eine Region voller Gegensätze, Farben, Düfte und Klänge. Auf unserer Reise durch Kambodscha, Laos, Vietnam, Malaysia, die Philippinen und Thailand durften wir eine Welt erleben, die weit mehr ist als nur ein beliebtes Reiseziel. Es ist eine Region, in der sich jahrtausendealte Kulturen mit lebendigen Strassenmärkten, tropischen Inseln und tiefgründiger Geschichte verbinden. Jedes dieser Länder hat seinen ganz eigenen Charakter – von den stillen Mönchen in den Tempeln von Laos bis zu den quirlig-bunten Jeepneys der Philippinen, vom kolonialen Erbe Vietnams bis zu den futuristischen Skylines Malaysias. Und doch teilen sie eine gemeinsame Seele, die Gastfreundschaft ihrer Menschen, die Liebe zum einfachen, guten Essen, und die tiefe Verbundenheit mit der Natur und Tradition. Diese Reise war mehr als nur das Sammeln von Stempeln im Reisepass – sie war eine Entdeckung der Vielfalt, der Gegensätze und der kleinen Momente, die unvergesslich bleiben.

Dubai

Dubai ist eine Stadt, die Gegensätze auf beeindruckende Weise vereint. Tradition und Moderne, Wüste und Wolkenkratzer, Luxus und Alltag. Wo einst nur Sanddünen lagen, ragen heute glitzernde Hochhäuser in den Himmel – allen voran der Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt und der Burj Al Arab. Doch Dubai ist mehr als nur futuristische Architektur und exklusiver Lifestyle. Hinter der glänzenden Fassade entdeckt man orientalische Märkte, den Duft von Gewürzen und eine Kultur, die tief in der arabischen Tradition verwurzelt ist. Ob bei brütender Hitze am Persischen Golf, zwischen luxuriösen Shopping-Malls oder beim Streifzug durch die Altstadt – Dubai ist ein Ort, der fasziniert, überfordert und staunen lässt. Eine Stadt, wie aus einer anderen Welt und trotzdem voller Leben.

Dubai

Tag 1

Freitag, 29. August 2008

An diesem Freitagmorgen holten wir ein letztes Mal unsere Rucksäcke aus dem alten Zuhause an der Weststrasse – der Startschuss für unser grosses Abenteuer. Am Flughafen dann die erste Überraschung. Unser Flug hatte über eine Stunde Verspätung.


Wir waren völlig erledigt von den letzten Tagen und sehnten uns nur noch nach Ruhe. Am Flughafen dann die erste Überraschung. Unser Flug hatte über eine Stunde Verspätung. Zum Glück hoben wir schliesslich um 23:20 Uhr ab – und schliefen die kompletten sieben Stunden trotz unbequemer Sitze durch. In Dubai angekommen, erwartete uns um 7 Uhr morgens eine Hitzewelle, wie wir sie noch nie erlebt hatten – gefühlt über 40 °C. Nach dem Einchecken im Hotel buchten wir direkt eine Stadtrundfahrt für den nächsten Tag und fielen am Pool sofort wieder in einen tiefen Schlaf – der Pool selbst war kaum kühler als die Luft. Erholung? Eher nicht. Am Nachmittag fuhren wir zum legendären Burj Al Arab.

 Rein durften wir mit unseren Backpacker-Outfits natürlich nicht, also machten wir ein paar Fotos von aussen und schlichen uns kurzerhand in ein benachbartes Luxushotel. Selbstbewusst spazierten wir durch die Lobby, als wären wir Gäste, und erreichten schliesslich den Strand mit perfektem Blick auf das Burj Al Arab. Nach einem kurzen Bad im Meer überkam uns erneut die Müdigkeit. Wir legten uns auf die  Liegestühle (natürlich so, als wären wir zahlende Gäste) und schliefen prompt ein. Als wir Stunden später erwachten, waren wir die einzigen (Nicht-)Gäste weit und breit. Leise und unauffällig verliessen wir das Hotel und kehrten zurück in unser eigenes, um weiterzuschlafen. So viel geschlafen wie an diesem ersten Reisetag hatten wir wohl noch nie. Aber nach dem ganzen Trubel und der Hitze war genau das vielleicht der perfekte Start in unser grosses Abenteuer. 

Dubai

Tag 2

Sonntag, 31. August 2008
Am nächsten Morgen stand unsere gebuchte Stadtrundfahrt auf dem Programm – ganz ehrlich, eigentlich überhaupt nicht unser Ding. Geführte Touren finden wir meist eher anstrengend und wenig individuell. Aber wir dachten uns, bei der Hitze und unserer chronischen Müdigkeit würden wir wahrscheinlich sowieso an jedem Ort einschlafen, also besser so als gar nicht. Und ja, was sollen wir sagen, es war eine klassische Touri-Tour. 

Wir fuhren vorbei an den Emirates Towers, dem Dubai World Trade Center und hielten am Al-Fahidi Fort, dem ältesten Gebäude Dubais, das heute das Dubai Museum beherbergt. Weiter ging es in die Bastakiya Altstadt mit ihren traditionellen Windtürmen und einem kurzen Stopp an der schönen Jumeirah-Moschee. In der gnadenlosen Mittagshitze schleppten wir uns noch durch die Souks – darunter der bekannte Gewürzmarkt und der Gold-Souk. So wirklich vom Hocker hat es uns aber echt nicht gehauen. Vielleicht lag es an der brütenden Hitze, vielleicht an der etwas steifen Tour. Auf jeden Fall kamen bei uns keine grossen Dubai-Vibes auf.

Wir hatten uns Dubai luxuriöser, eindrucksvoller, lebendiger vorgestellt. Stattdessen wirkte vieles künstlich. Eine Stadt aus Klimaanlagen, riesigen Shopping-Malls und kaum begehbaren Strassen. Für gemütliches Schlendern durch die Stadt ist es hier einfach zu heiss. Alles spielt sich drinnen ab und das macht es irgendwie unspektakulär. Am Abend flogen wir weiter nach Kuala Lumpur und dieser Flug war dann endlich ein Highlight. Wir hatten vier Sitze für uns allein, dazu eine riesige Auswahl an Filmen! Natürlich haben wir uns gleich drei Filme reingezogen und es einfach nur genossen. So macht Reisen Spass. 

Malaysia

Malaysia ist ein multikulturelles Land in Südostasien, das aus zwei Hauptregionen besteht. Der malaiischen Halbinsel und dem nördlichen Teil der Insel Borneo. Bekannt für seine beeindruckende Mischung aus moderner Urbanität und unberührter Natur, bietet Malaysia eine einzigartige Vielfalt an Kulturen, Sprachen und Religionen. Das Land zeichnet sich durch seine tropischen Regenwälder, traumhafte Strände sowie lebendige Städte wie Kuala Lumpur mit seinem ikonischen Petronas-Türmen aus. Malaysia hat eine bewegte Geschichte, die von malaiischen Sultanaten, kolonialer Herrschaft durch die Briten und dem heutigen multikulturellen Gesellschaftsbild geprägt ist. Diese Vielfalt macht Malaysia zu einem faszinierenden Reiseziel und einem wichtigen Wirtschaftszentrum in der Region. 

Kuala Lumpur

Tag 3

Montag, 1. September 2008
Um 23:00 Uhr landeten wir in Kuala Lumpur. Unser Hotel hatten wir bereits in der Schweiz gebucht, waren uns jedoch nicht sicher, ob ein Abholservice vom Hotel organisiert worden war. Leider wartete am Flughafen niemand mit einem Schild mit unseren Namen drauf auf uns. So begann erneut das Feilschen um ein Taxi, und natürlich wurden wir kräftig über den Tisch gezogen.

Der Fahrer verlangte stolze 200 Ringgit, also rund 68 Franken. Zwar dauert die Fahrt vom Flughafen ins Zentrum von Kuala Lumpur etwa 1h – ein Preis, den man auch in der Schweiz zahlen würde –, doch wir fühlten uns trotzdem hintergangen. Markus machte am Flughafen ordentlich Theater und versuchte mit Nachdruck, den Preis zu drücken.

Aber es war bereits 23:30 Uhr, wir waren müde und letztlich auf das Taxi angewiesen. Immerhin konnten wir den Fahrpreis auf 180 Ringgit herunterhandeln. Als wir schliesslich vor unserem Hotel ankamen, waren wir positiv überrascht. Wir hatten nämlich ein wunderschönes und luxuriöses Haus gebucht. Fast war der Ärger schon wieder vergessen.

Kuala Lumpur

Tag 4

Dienstag, 2. September 2008
Am nächsten Morgen, nach einem eher unappetitlichen Frühstück, nahmen wir ein Taxi zum grossen Busbahnhof. Unser Ziel, so schnell wie möglich Tickets für die Weiterreise auf die Perhentian Islands ergattern. Doch als uns der Fahrer absetzte, traf uns der Schock. Vor uns reihten sich endlose Warteschlangen. Offenbar wollte halb Malaysia irgendwohin reisen. Das hat uns gerade noch gefehlt.

Doch mein geschultes Auge entdeckte ganz am Ende der Halle einen verlassen wirkenden Schalter. Ohne zu zögern stürzte ich mich dorthin und siehe da, wir waren tatsächlich richtig! Wir ergatterten die letzten zwei Tickets für die Abfahrt am Abend. Juhuu! Endlich Strand, Meer und Sonne – die Grossstadt hatten wir allmählich satt. Am Nachmittag stand noch ein Highlight auf dem Programm. Die berühmten Petronas Twin Towers. Die Aussicht auf ganz Kuala Lumpur war atemberaubend. Danach kauften wir – ganz wie die Einheimischen – ein Stadtbusticket für etwa 20 Rappen und fuhren ins quirlige Chinatown-Viertel, wo wir unsere eigene kleine Stadttour unternahmen. Wir schlenderten durch enge Gassen, vollgestopft mit Verkaufsständen und Essensgerüchen aus aller Welt. Markus liess sich nicht lumpen und setzte sich zwischen gehäutete Hühner, Fischabfälle und undefinierbare Innereien mitten zu den Einheimischen, um eine Suppe zu probieren, die mehr nach Mutprobe als nach Mahlzeit aussah.

Mir wurde natürlich speiübel, aber irgendwie war das Ganze auch wieder amüsant. Auf dem Rückweg entdeckten wir einen Massagesalon, der sowohl klassische Massagen als auch die berüchtigte Fischpediküre anbot. Neugierig (und unüberlegt) tauchten wir unsere Beine in ein Becken mit Hunderten kleiner Fische. Kaum im Wasser, stürzten sich die Tiere auf uns und begannen, unsere Haut anzuknabbern – ein völlig ungewohntes, kitzelnd-ekliges Gefühl. Wir quietschten und lachten gleichzeitig, bis wir uns langsam daran gewöhnten. Nach einer Weile wurde daraus tatsächlich eine überraschend angenehme Massage. Ein wirklich aussergewöhnliches Erlebnis und absolut empfehlenswert! Mit dem Gefühl, auf Wolken zu gehen, kehrten wir ins Hotel zurück und machten uns später auf den Weg zur Busstation. Erneut hatten wir Glück, denn wir bekamen beide zwei Sitze für die Nachtfahrt – ideal so zum Schlafen. Die Fahrt dauerte 9h, verlief aber bis auf einen kurzen Buswechsel (defektes Getriebe) problemlos.

Pherhantian Island

Tag 5

Mittwoch, 3. September 2008
Am 3. September erreichten wir früh morgens um 7 Uhr den kleinen Küstenort Kuala Besut mit dem Nachtbus. Dort buchten wir direkt ein Speedboot zur Perhentian-Insel – genauer gesagt zur abgelegenen Mira Beach. Mit uns im Boot sass eine Gruppe Deutscher, die nur ungläubig lachte, als sie auf einem Plakat sahen, wohin wir wollten.

Aber je näher das Speedboot der kleinen, versteckten Bucht kam, desto grösser wurden ihre Augen und ihr Staunen. Eine einsame, traumhaft schöne Bucht mitten im Paradies – fernab vom Trubel. Man konnte ihnen den Neid regelrecht im Gesicht ablesen. Auf der Insel waren wir insgesamt gerade mal zehn Personen. Eine kleine, entspannte Gemeinschaft, mit der wir eine richtig tolle Zeit hatten. Kaum angekommen, wollten wir gleich den Dschungel erkunden. Ohne gross nachzudenken, zogen wir in Flip-Flops los Richtung zur nächsten Bucht der Coral Bay. Ja, mit den Flip-Flops den Dschungel durchqueren. Im Restaurant vor dem Aufbruch hatten wir noch ein Schild gesehen, welches auf wildlebende Leguane hinwies. Aber wir dachten nur, uns wird schon nichts passieren. Doch kaum ein paar Minuten im Dschungel unterwegs, hörten wir plötzlich ein lautes Rascheln und da stand er auf einmal.

Ein riesiger Leguan, mitten auf dem Pfad. Ich bekam sofort Gänsehaut und zitterte am ganzen Körper. Selbst Markus sah nicht mehr ganz so mutig aus. Der Leguan schien allerdings wenig beeindruckt von unserer Panik und machte keine Anstalten, sich zu bewegen. Also schnappte sich Markus ein riesiges Palmenblatt als „Schutzschild“ und schlich vorsichtig an ihm vorbei. Glück gehabt und wir kamen heil durch. Aber der Respekt vor dem Dschungel war ab da definitiv gestiegen. Wir stellten uns schon vor, dass es sich um diese riesigen Warane handeln könnte, die bis zu zwei Meter lang werden. Doch als uns später noch zwei kleinere Exemplare begegneten, merkten wir schnell, dass sie eigentlich ganz harmlos und eher scheu sind. Mittlerweile fühlen wir uns schon fast wie echte Dschungel-Profis. Nichts kann uns mehr erschrecken!

Pherhantian Island

Tag 7

Freitag, 5. September 2008
Heute haben wir, genau wie gestern, einfach mal die Seele baumeln lassen. Den ganzen Tag über haben wir am Strand entspannt, zwischendurch immer wieder eine erfrischende Runde im Meer gedreht und ausgiebig geschnorchelt.

Direkt vor der Mira Beach liegt ein wunderschönes Korallenriff – ein echtes kleines Paradies unter Wasser. Diesmal hatten wir besonders viel Glück.

Wir entdeckten riesige Wasserschnecken, einen eleganten Blaupunktrochen und natürlich die süssen Nemos, die sich zwischen den Anemonen versteckten. Ein magisches Erlebnis, jedes Mal wieder!

Pherhantian Island

Tag 8

Samstag, 6. September 2008
Nach zwei Tagen Entspannung wollten wir mal wieder etwas unternehmen. Also zogen wir unsere Turnschuhe an und machten uns auf den Weg zur anderen Seite der Insel – Richtung „Long Beach“. Dort soll es ein bisschen lebhafter zugehen. Unser Fehler: Wir starteten ausgerechnet in der heissesten Tageszeit, gegen 11:30 Uhr mittags.

Je weiter wir liefen, desto heisser wurde es – und der Weg zog sich. Ein Ziel war noch lange nicht in Sicht, und die Sonne brannte erbarmungslos auf uns herab. Plötzlich hörten wir wieder ein Geräusch im Gebüsch direkt neben uns. Diesmal kam es allerdings von etwas höher oben – und es klang gewaltig gross. Im nächsten Moment sprang ein Tier (keine Ahnung, was es war – vielleicht ein Affe?) mit einem riesigen Satz aus dem Geäst und verschwand laut raschelnd im dichten Dschungel. Wow!

Für einen Moment fühlten wir uns wie in der Serie LOST – als wären wir „Kate“ und „Zoya“. Aber jetzt wollten wir nur noch ankommen. Und dann – endlich! Die Long Beach kam in Sicht. Wir stürzten uns sofort ins erfrischende Meer und gönnten uns anschliessend unser erstes Bier – was für ein Moment! Auf der Mira Beach gibt es übrigens keinen Alkohol, also deckten wir uns gleich mit ein paar Bieren für unsere Freunde ein, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Ach ja – diesmal nahmen wir ein Wassertaxi zurück. Noch einmal durch den Dschungel? Das hätten wir nicht überlebt.

Pherhantian Island

Tag 11

Dienstag, 9. September 2008
Gestern fing es zum ersten Mal an zu regnen und daher wechselten zur anderen Insel „Long Beach“ rüber.  An diesem Morgen um 11 Uhr hatten wir für 40 Ringgit (ca. 13 CHF) einen Schnorchelausflug gebucht. Leider war der Himmel noch bewölkter als an den Tagen zuvor – aber wir dachten uns: „Ach, was soll's, wir probieren es einfach!“

Unser erster Stopp: „Turtle Island“. Und was hofften wir natürlich zu sehen? Genau – riesige Meeresschildkröten! Und tatsächlich: Markus entdeckte als Erster eine im Wasser. Sofort schnappten wir uns Schnorchel, Brille und Flossen und sprangen voller Vorfreude ins Meer. Und da war sie – direkt neben uns! Eine riesige Schildkröte, wie wir sie beide noch nie zuvor gesehen hatten. Faszinierend! 

Wir schwammen ihr hinterher, doch nach etwa einem Kilometer mussten wir kapitulieren – sie war einfach zu schnell für uns und verschwand majestätisch in der Tiefe. Trotzdem, ein absolut magischer Moment. Weiter ging’s zu drei weiteren Riffs und als wäre die Schildkröte nicht schon Highlight genug gewesen, entdeckten wir dort sogar zwei kleine Babyhaie! Keine Sorge – die waren zum Glück harmlos. Wahrscheinlich sogar Vegetarier.

Langkawi

Tag 12

Mittwoch, 10. September 2008
Am 10. September hiess es Abschied nehmen. Um 16 Uhr stiegen wir in ein Speedboot, das uns von der wunderschönen Perhentian-Insel zurück aufs Festland brachte. Dort trafen wir auf zwei Schweizer, die zufälligerweise dieselbe Reiseroute wie wir geplant hatten – mit dem Nachtbus quer durch Malaysia an die Westküste, nach Langkawi.

Gemeinsam nahmen wir ein Taxi zum Busbahnhof. Dort begegneten wir sogar noch einem weiteren Schweizer Pärchen – und so wurde die Wartezeit mit unterhaltsamen Gesprächen angenehm verkürzt. Um 21 Uhr ging es dann los: Neun Stunden Nachtfahrt im Bus. Wir konnten grösstenteils schlafen – mal mehr, mal weniger bequem natürlich. Am nächsten Morgen brachte uns ein weiteres Speedboot in knapp zwei Stunden auf die Insel Langkawi.

Dort suchten wir uns eine passende Unterkunft und mieteten für zwei Tage ein Mofa, um die Insel flexibel erkunden zu können. Am Abend landeten wir in einem traumhaft schönen, romantischen Restaurant direkt am Strand – mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang als Kulisse. Gemeinsam mit den Schweizern verbrachten wir einen unvergesslichen und richtig spassigen Abend. Ein perfekter Start in unser kleines Langkawi-Abenteuer!

Langkawi

Tag 14

Freitag, 12. September 2008
Heute haben wir zusammen mit den Schweizern eine Inselrundfahrt mit dem Moped gemacht – fast einmal komplett um Langkawi! Beim Wasserfall „Telaga Tujuh“ legten wir eine Pause ein. Die Männer wagten sich ins Wasser und rutschten sogar mutig mehrere Stufen des Wasserfalls auf dem Hosenboden hinunter.

Für uns war das ehrlich gesagt ein bisschen zu riskant und im Nachhinein wohl auch keine schlechte Entscheidung. Denn beim zweiten Versuch schlug sich Markus ziemlich heftig das Steissbein an einem Felsen an. Irgendwie war es ja fast zu erwarten, dass ihm wieder was passieren muss. Auf dem Rückweg zu den Mopeds trafen wir dann auf eine ganze Affenbande.

 Sie sassen direkt am Wegesrand und beschäftigten sich genüsslich mit einer Kokosnuss. Zwei von ihnen liefen dann auch noch ganz nah an uns vorbei – und obwohl sie eigentlich ziemlich süss aussahen, war uns allen dabei nicht ganz wohl. Man weiss ja nie, ob sie plötzlich aggressiv werden oder sogar zubeissen. Also lieber auf Abstand bleiben – sicher ist sicher!

Langkawi

Tag 15

Samstag, 13. September 2008
Heute standen wir früh auf und frühstückten wie immer in unserem Lieblingsrestaurant, dem „Breakfast“. Auch wenn die Auswahl wie gewohnt eher bescheiden war – Toastbrot und Eier – starteten wir mit vollem Magen in den Tag. Anschliessend schnappten wir uns unser Moped und fuhren zum zweiten Wasserfall der Insel, dem „Temurun Waterfall“. 

Dieser lag tief im Dschungel und die ganze Szenerie hatte etwas wunderbar Idyllisches. Wir ruhten uns auf den warmen Felsen aus, lasen ein wenig in unseren Büchern und genossen ein erfrischendes Bad – endlich mal kein Salzwasser! Doch plötzlich waren sie wieder da – eine Gruppe Affen, die uns umzingelte. Wir waren uns ziemlich sicher, dass sie es auf unsere Taschen abgesehen hatten. Also packten wir alles schnell zusammen und machten uns auf den Rückweg zu den Mopeds. Auf dem Weg entdeckte Markus eine riesige Liane, die von einem Baum hing und natürlich musste er sie sofort ausprobieren. Klar, dass ich mir das Spektakel nicht entgehen liess und die Kamera zückte. Es war wieder absolut filmreif. Doch dann kippte das Wetter schlagartig. Aus dem Nichts zog ein heftiges Gewitter auf. Der Wind war so stark, dass unser Moped fast umgeweht wurde. Und wir? Kein Unterschlupf weit und breit.

Zurück zur Unterkunft waren es einige Kilometer – locker eine Stunde Fahrt. Bei dem Wetter mit dem Moped zu fahren, war eigentlich Wahnsinn. Aber wir entschieden uns, es trotzdem zu wagen. Mein Gott, hatte ich Schiss. Es war eiskalt, und der Regen prasselte so hart auf die Haut, dass es sich wie Hagel anfühlte. Als wir endlich durchnässt, aber heil zu Hause ankamen, war ich einfach nur überglücklich. Am Abend gingen wir mit unseren Schweizer Freunden ein letztes Mal essen. Sie reisen morgen weiter nach Kuala Lumpur. Unser Abschiedsabend war richtig gemütlich, und das Essen in einer kleinen Pizzeria war einfach genial. Wie unsere eigene Weiterreise aussieht, steht leider noch in den Sternen. Eigentlich wollten wir weiter auf die traumhafte thailändische Insel „Ko Lipe“ – aber sie ist bis Januar gesperrt. Echt schade. Mal sehen, wie es weitergeht und wo es uns nun hinzieht.

Philipinen


Die Philippinen sind ein faszinierender Inselstaat in Südostasien, bestehend aus über 7600 Inseln im westlichen Pazifik. Mit ihrer vielfältigen Landschaft aus tropischen Stränden, dichten Regenwäldern und aktiven Vulkanen bieten sie eine beeindruckende natürliche Schönheit. Das Land blickt auf eine reiche Geschichte zurück, die sowohl von indigenen Kulturen als auch von spanischer, amerikanischer und asiatischer Einflussnahme geprägt ist. Heute sind die Philippinen nicht nur für ihre freundlichen Menschen und ihre kulturelle Vielfalt bekannt, sondern auch für ihre wachsende wirtschaftliche Bedeutung in der Region. Als bevölkerungsreichster katholischer Staat Asiens nehmen die Philippinen zudem eine besondere Rolle im kulturellen und religiösen Gefüge der Region ein. 

Pampangan

Tag 20

Donnerstag, 18. September 2008
Spät am Abend des 18. September starteten wir um 22 Uhr unseren Inlandsflug von Langkawi nach Kuala Lumpur. Gerade mal eine Stunde später waren wir schon wieder am Flughafen angekommen und mussten dort eine Schlafmöglichkeit finden. Unser Weiterflug auf die Philippinen sollte nämlich erst am nächsten Morgen gehen.

 Ein Hotel aufzusuchen hätte sich für die kurze Zeit nicht wirklich gelohnt. Leider gab es am Flughafen keine geeigneten Plätze zum Ausruhen, sodass wir uns mit drei Plastikstühlen begnügen mussten, die wir als Liegefläche nutzten. Nach nur wenigen Minuten begannen sämtliche Körperstellen einzuschlafen, und es tat höllisch weh. Dennoch überkam uns irgendwann die Müdigkeit, und wir konnten zumindest für einige Stunden schlafen. Gegen Mittag landeten wir auf dem Flughafen in Angeles, nahe Manila. Ein Taxi brachte uns in das nahegelegene Dorf Pampanga. Unser Fahrer versprach günstige Unterkünfte und viel Trubel – doch tatsächlich landeten wir mitten im Rotlichtviertel. Oh je, hier ging es wirklich heftig zu! Für uns als Paar – und vor allem für mich – fühlte sich das total fehl am Platz an. In einer Seitengasse fanden wir schliesslich eine preiswerte Unterkunft, die jedoch extrem muffig roch, nach Zigarettenqualm und abgestandener Luft. Naja, was erwartet man in so einer Gegend schon anderes? Am Abend schlenderten wir durch die Strassen und beobachteten das Geschehen mit einem seltsamen Gefühl – mal lächelnd, mal voller Abscheu gegenüber den Männern.

Unglaublich, wie viele vor allem Engländer, Australier, Europäer und überraschend viele Schweizer hier waren – alle mit einem jungen, hübschen philippinischen Mädchen an der Hand. Im Hotel „Amsterdam“ assen wir schliesslich jeden Tag. Das war der einzige Ort, an dem wir uns einigermassen wohl fühlten. Superfreundliches Personal, hervorragendes Essen mit riesigen Portionen (für Markus besonders wichtig) und faire Preise. Trotzdem warfen uns auch hier manche neugierige Blicke zu und fragten sich, was wir als Paar denn hier verloren hätten. Ja, das fragte ich mich mittlerweile auch langsam. Abgesehen davon gefällt es uns auf den Philippinen sehr gut. Besonders amüsant finden wir die bunten Localbusse – alte amerikanische Autos, die jeder nach seinem Geschmack gestaltet und bemalt hat. Und natürlich die witzigen Tricycles, Mopeds mit Seitenwagen, die alle ganz unterschiedlich aussehen. Die Menschen hier sind unglaublich freundlich und hilfsbereit – das schätzen wir hier wiederum sehr.

Pampangan

Tag 22

Samstag, 20. September 2008
Heute haben wir uns im Internet genauer über unsere Weiterreise informiert und schnell gemerkt, dass die Philippinen kein besonders gut ausgebautes Reiseland für Backpacker sind. Mit so vielen Inseln gestaltet sich das Reisen recht mühsam. Zum Glück trafen wir einen Schweizer, der die Philippinen bereits zum zwölften Mal bereist hat – kein Wunder, dass er genau wusste, wovon er spricht. 

Er gab uns unglaublich hilfreiche und informative Tipps. Letztendlich haben wir uns für die Inselgruppe Palawan entschieden. Anfangs wollte Markus mit einem grossen Schiff von Manila nach Palawan fahren. Als er jedoch hörte, dass die Überfahrt etwa 14 Stunden dauern könnte, mit starkem Wellengang zu rechnen sei und die Unterkünfte oft in grossen Mehrbettzimmern (10er-Schlag) organisiert sind, war er nicht mehr so überzeugt. 

Als ich ihm dann noch erzählte, dass vor etwa zwei Monaten ein grosses Schiff hier gekentert ist und mehrere Tausend Menschen ums Leben kamen, entschied er sich schliesslich ebenfalls, lieber das Flugzeug als Fortbewegungsmittel zu wählen.

Puerto Princesa

Tag 23

Sonntag, 21. September 2008
Kurz vor dem Einstieg ins Flugzeug nach Puerto Princesa auf Palawan bekam ich von Alois eine MMS mit einem Bild von Thea und dem kleinen, gesunden, kugelrunden Moritz. Ich war überglücklich zu sehen, dass bei beiden alles in Ordnung war. Gleichzeitig überkam mich ein starkes Heimweh, und ich hätte am liebsten sofort in die Schweiz zurückgewollt.

 Markus tröstete mich, auch er spürte langsam die Reisemüdigkeit, diesen „Koller“, der sich nach so langer Zeit einstellt. Das ständige Unterwegssein ist eben ziemlich anstrengend und nicht immer nur schön. Aber das wird sicher wieder besser. Der Flug nach Puerto Princesa war alles andere als entspannt. Wir hatten heftige Turbulenzen und zum ersten Mal richtig Angst. Als ein riesiges, wirklich riesiges Luftloch auftauchte – so etwas hatten wir noch nie erlebt – kreischten sogar einige Passagiere. Uns war ganz mulmig zumute, und wir waren überglücklich, als wir endlich wieder festen Boden unter den Füssen hatten. In Puerto Princesa erwartete uns leider schlechtes Wetter und Regen den ganzen Tag. Zum Glück fanden wir schnell eine wunderschöne Unterkunft mit einer grossen Dachterrasse. Beim Abendessen dort und auf dem Weg zurück zu unserem Zimmer entdeckten wir eine riesige Wasserlache vor unserer Zimmertür.

Beim Aufschliessen sahen wir entsetzt, dass es überall hineingeregnet hatte und die meisten unserer Sachen klatschnass waren. Besonders schlimm war, dass Markus Kamera Wasser abbekommen hatte und jetzt wahrscheinlich nicht mehr funktionstüchtig ist. Hoffentlich lässt sich der Speicherchip mit den Fotos noch retten. Wir bekamen ein neues Zimmer – von Seiten des Hotels kam ausser einem kurzen „Oh, sorry“ leider nichts weiter. Das wollen wir so nicht auf uns beruhen lassen! Als wir anschliessend noch ein bisschen spazieren gingen und das kleine Städtchen erkunden wollten, rammte mich plötzlich so ein blödes Tricycle. Zum Glück blieb es bei ein paar blauen Flecken an den Hüften – vom Fahrer kam nicht mal ein Entschuldigung. Alles in allem war das ein richtig schwarzer Tag – bis auf den kleinen Moritz, der ihn komplett aufgehellt hat.

Puerto Princesa

Tag 25

Dienstag, 23. September 2008
Hier in Puerto Princesa ist es einfach nur langweilig, öde, stinkig, laut und regnerisch – kurz gesagt: total nervig. Wir haben immer noch ziemlich den „Anschiss“ drin, denn irgendwie läuft hier nichts nach Plan. Heute Morgen teilte uns unser Hotel mit, dass wir übermorgen nicht mehr bleiben können, weil alle Zimmer ausgebucht sind. Na super! Jetzt heisst es also auf die Schnelle eine neue Bleibe finden und das lästige Handeln fängt wieder von vorne an.

Zuerst wollten wir zum Flughafen, denn das inzwischen schon dritte Reisebüro hier hatte uns gesagt, dass sie uns nicht weiterhelfen können, jenes am Flughafen bestimmt. Es ist nämlich sehr wichtig, dass wir am 9. Oktober einen Flug nach Hanoi (Vietnam) bekommen, denn dort wollen wir meine Schwester Selina treffen. Am Flughafen zogen wir eine Wartemarke mit der Nummer „844“. Doch die Mitarbeiter waren erst bei Nummer „720“. Oh je, da hatten wir jede Menge Zeit, um währenddessen eine neue Unterkunft zu suchen. Nach langem Suchen fanden wir zum Glück eine, die zwar nichts Schönes war, aber immerhin ein Dach über dem Kopf bot. Als wir zurückkamen, war genau unsere Nummer dran – perfektes Timing! Doch an dem Schalter antwortete man uns eher schnippisch: „Oh sorry, Mam, ich kann Ihnen nicht weiterhelfen. Mein Kollege kommt erst morgen zurück, der kann Ihnen sicher helfen.“

Wir beschlossen also, in ein anderes Büro zu gehen und dort nachzufragen, wann Schiffe zu den Inseln im Norden Palawans und eventuell zur Trauminsel Boracay fahren. „Oh sorry, momentan fahren keine Schiffe, wir wissen auch nicht warum“, war die Antwort. Toll!  Unsere ganzen Pläne, Palawan zu erkunden, waren also im Nullkommanichts dahin. Wir hatten die Schnauze voll von dem Land und gingen ins nächste Internetcafé, um Flüge rauszusuchen, mit denen wir die Philippinen verlassen können. Nach langem Hin und Her und wirklich buchten wir einen Flug von Puerto Princesa nach Manila – hauptsache weg von hier. Um den stressigen Tag wenigstens etwas abzurunden, gönnten wir uns abends eine anderthalbstündige Massage. Zum Glück konnten wir so wenigstens ein bisschen entspannen, auch wenn die Massage eher mittelmässig war.

Puerto Princesa

Tag 26

Mittwoch, 24. September 2008
Heute früh mussten wir unser Hotelzimmer räumen und unser ganzes Hab und Gut ans andere Ende der Stadt verlegen. Danach mieteten wir uns für den Tag erneut ein Moped, um wenigstens noch ein bisschen von der Insel zu sehen. Unser ursprüngliches Ziel war der 8 km lange „Underground River“, etwa drei Stunden von Puerto Princesa entfernt.

Doch davor gab es noch einiges zu erledigen. Zuerst ging’s mal wieder zum Flughafen und natürlich erwartete uns eine endlos lange Warteschlange. Natürlich hat wieder nichts funkioniert und jetzt hoffen wir einfach, dass wir den Flug morgen direkt in Manila am Flughafen buchen können. Durch das ganze Hin und Her hatten wir so viel Zeit verloren, dass wir den Trip zum „Underground River“ streichen mussten. Stattdessen machten wir uns auf den Weg zur „Krokodilfarm“ und dem Dorf „Iwahig“. In diesem Dorf leben Strafgefangene nicht hinter Gittern, sondern frei – mitten in der Natur. Und offenbar funktioniert das Konzept. Die Rückfallquote soll viel niedriger sein als üblich. Die Krokodilfarm selbst war, na ja, mittelmässig spannend. Es handelt sich übrigens nicht um eine Zuchtanlage, sondern eher um eine Art Auffangstation, die verletzte Tiere pflegt. Das grösste Krokodil, das jemals auf Palawan gefunden wurde, war unglaubliche 5,5 Meter lang – ein echtes Monster! Später bekam Markus heftige Kopfschmerzen und fuhren somit zurück zum Hotel. Dort war unser Zimmer um 14 Uhr immer noch nicht bereit, sodass wir vorübergehend in ein anderes ausweichen mussten – ziemlich mühsam. Abends wollten wir es uns richtig gut gehen lassen und fuhren zu einem wunderschönen Restaurant. 

Am Tag zuvor waren wir schon mal dort, nur auf eine Cola, und hatten gesehen, wie unsere Tischnachbarn leckere Gerichte bestellten: einen Eintopf und Garnelen in Knoblauch-Butter-Sauce. Genau das wollten wir heute auch! Sicherheitshalber fragten wir nach, was im Eintopf alles drin sei – „Gemüse und Fleisch“ war die Antwort. Easy! Ich liess das Fleisch einfach weg (bin auf dieser Reise sowieso eher zur Vegetarierin geworden). Der Eintopf kam, wir schöpften uns je zwei, drei Kellen auf den Teller – aber geschmacklich war das Ganze leider ziemlich enttäuschend. Irgendwann fragte ich Markus: „Wo zum Teufel ist eigentlich das Fleisch? Ich seh ja gar nix.“ Plötzlich fischte er ein riesiges Stück heraus und meinte, das müsse wohl das Fleisch sein. Ich sagte: „Komm, probier mal!“ Und schon beim ersten Bissen war klar: Irgendwas stimmt hier nicht. In diesem Moment dämmerte es uns. Das war keine normale Fleischsorte – das war Kuhhaut! Übel! Es sah schon im rohen Zustand an den Marktständen in Langkawi ekelhaft aus und laut Markus schmeckte es auch so. Ich habe Markus noch nie erlebt, wie er einen Teller nicht leer isst – und dabei ist er sonst wirklich offen für alles. Gestern hat er sogar einen Spiess mit Hühnerdarm gegessen! Aber diese Kuhhaut – „Kula-Kula“ nennt sich das Gericht – war wirklich zu viel. Der Topf ging fast unberührt zurück in die Küche.

Puerto Princesa

Tag 27

Donnerstag, 25. September 2008
So, jetzt stehen uns zwei anstrengende Tage bevor. Gleich am Morgen vor dem Abflug hatte Markus noch ein letztes Treffen mit dem alten Hotel. Es ging um seine Digitalkamera, die sie trotz aller Bemühungen nicht reparieren konnten. Nach langen, hitzigen Diskussionen einigte er sich schliesslich mit ihnen darauf, dass sie ihm 10000 Pesos – also etwa 240 Franken – auszahlen.

Natürlich lief die Geldübergabe nicht ganz reibungslos ab, aber kurz vor dem Abflug hatte er das Geld dann doch in der Tasche. Der Flug nach Manila verlief erstaunlich problemlos. Kaum hatten wir unser Gepäck, rannten wir direkt zur Fluggesellschaft, um unseren Weiterflug für den Abend zu sichern. Natürlich wieder eine elendlange Warteschlange. Aber hey – kein Stress. Wir hatten Zeit, und diesmal funktionierte die Buchung tatsächlich. Wir waren einfach nur noch überglücklich. Jetzt fehlte nur noch der Flug von Kuala Lumpur nach Vientiane (Laos). Der junge Mann am Schalter erklärte uns jedoch, dass wir diesen Flug nicht hier im Terminal 3, sondern nur im Terminal 1 buchen könnten. Wäre ja kein Problem – wenn das wie in Zürich-Kloten wäre, wo man einfach zu Fuss von Terminal A nach B spazieren kann. Aber nein, Manila ist eine riesige Stadt, und zwischen Terminal 3 und 1 liegt eine 20-minütige Busfahrt. Egal, dachten wir, wir haben ja Zeit. Also auf nach Terminal 1. Dort angekommen, dann die nächste Enttäuschung. Auch hier könne man den Flug nicht buchen. AirAsia-Flüge seien nur in Angeles buchbar – ja genau, dort, wo die Rotlichtszene blüht. Na super. Dorthin zu fahren, dafür reichte die Zeit unmöglich. Wir waren nun richtig sauer. Uns blieb nur noch eine Möglichkeit. Zurück ins Internetcafé und nochmal online versuchen zu buchen. Vielleicht klappt es ja dieses Mal. Am langsamsten Computer der Welt tippten wir alles mühsam ein und tatsächlich: Die Buchung ging durch! Kaum zu glauben. 

Ich druckte die Bestätigung aus und traute meinen Augen nicht. Zwei grobe Fehler sind mir in der Hitze des Gefechtes passiert! Erstens: Statt „Ladina Mueller“ hatte ich aus Versehen meinen zweiten Vornamen eingegeben – „Ladina Pia“. Und zweitens (noch besser): Ich hatte den Flug nicht für den nächsten Morgen, sondern für übermorgen früh gebucht. Ich war so sauer auf mich selbst, dass meine Kopfschmerzen noch schlimmer wurden und ich fast angefangen hätte zu weinen. Wir versuchten verzweifelt, die Buchung telefonisch zu ändern – vergeblich. Zurück am Flughafen machte sich Markus auf in die Stadt, um eine neue Kamera zu besorgen. Ich blieb zurück, legte mich irgendwo im Flughafenbereich hin – völlig überfordert und mit hämmernden Kopfschmerzen. Es war eiskalt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie man diesen Flughafen auf Nordpoltemperatur runterkühlt – ich war halb durchgefroren. Zwei Stunden später kam Markus angerannt – mit einem warmen Fish-Mac von McDonald's in der Hand. So lieb wirklich. Auf dem Rückweg war ihm auch noch sein rechter Flip-Flop kaputtgegangen. Die Ersatzschuhe? Natürlich im grossen Rucksack, der eingecheckt war. Also musste er barfuss durch den Flughafen laufen. Immerhin: Er hatte eine neue Kamera gefunden – und die kann sogar drei Meter tief unter Wasser filmen. Ziemlich cool! Und dann, wie aus dem Nichts, kam der nächste Schockmoment: „Oh Mist, unser Flug geht gleich!“ Wir, die wohl am längsten an diesem Flughafen waren, hätten ihn fast verpasst.

Puerto Princesa

Tag 28

Freitag, 26. September 2008

Um 1 Uhr morgens kamen wir wieder in Kuala Lumpur an. Und wer sich erinnert: Ja, genau, das bedeutete erneut eine Nacht auf den harten, unbequemen Plastikstühlen am Flughafen. Leider öffnete der Schalter unserer Fluggesellschaft erst um 5 Uhr – also hiess es: durchhalten. Nach vier zähen Stunden konnten wir endlich zum Schalter und unser Missgeschick mit der Onlinebuchung erklären.

Doch die Antwort kam prompt: „Tut mir leid, Änderungen an der Buchung sind nur bis 48 Stunden vor Abflug möglich.“ Ich sagte nur noch: „Ach, scheiss drauf – dann buchen wir halt zwei neue Flüge, Hauptsache wir kommen heute noch weg.“ Aber selbst das war nicht möglich. Es stellte sich heraus, dass es für den heutigen Tag sowieso keinen Flug dorthin gab. Jetzt war mir auch klar, dass nicht ich den Fehler bei der Onlinebuchung gmacht habe, sondern das System hatte wohl automatisch den nächstmöglichen Flug gewählt. Der falsch eingegebene Vorname war laut Mitarbeiter kein Problem – die Passnummer stimmte, und das sei entscheidend. 

Naja, wir hofften einfach das Beste. Um endlich mal wieder in einem echten Bett zu schlafen, buchten wir direkt am Flughafen ein Hotel in der Nähe. Als wir mit dem Taxi dort ankamen und das Gebäude betraten, traf uns ein übler Geruch – modrig, feucht, einfach unangenehm. Die Unterkunft war ziemlich heruntergekommen. Aber wir waren so müde von der ganzen Reise, den Wartezeiten und dem Stress, dass wir trotz Schimmelgeruch sofort einschliefen.

Laos

Laos, das einzige Binnenland Südostasiens, gilt als einer der ursprünglichsten und ruhigsten Staaten der Region. Fernab vom Massentourismus verzaubert das Land mit seiner unaufgeregten Gelassenheit, atemberaubenden Landschaften und tief verwurzelten buddhistischen Kultur. Üppige Regenwälder, nebelverhangene Berge, sanfte Flusstäler und endlose Reisterrassen prägen das Bild – allen voran der mächtige Mekong, der sich wie eine Lebensader durchs Land zieht. Laos ist kein Ort für Eilige. Hier ticken die Uhren langsamer. Wer sich auf den Rhythmus des Landes einlässt, entdeckt eine ganz eigene Welt: goldene Tempel in Luang Prabang, koloniale Spuren in Vientiane, mystische Ebenen voller Steinkrüge, aber auch einfache Dörfer, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Laos ist ein Land der Stille, der Authentizität und der Begegnungen – mit Menschen, Natur und sich selbst.

Vientiane

Tag 29

Samstag, 27. September 2008
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker schon um 5 Uhr. Müde und unausgeschlafen machten wir uns mit dem Taxi zurück zum Flughafen. Dort erwartete uns bereits ein riesiges Gedränge – überall Menschen mit Koffern, die ihre Gepäckstücke aufgeben wollten. Es war ein einziges Geschiebe und Gedränge!

Endlich kamen wir an den Check-in-Schalter. Doch statt eines reibungslosen Ablaufs kam prompt die nächste Hürde. Die Mitarbeiterin informierte uns, dass wir für die Einreise nach Laos einen Ausreiseflug aus dem Land nachweisen müssten – völlig egal, wohin, Hauptsache raus aus Laos. Ohne ein entsprechendes Ticket könnten wir nicht einreisen. Na toll – wieder einmal lief alles schief. Sie schickte uns zu einem anderen Schalter, wo wir so schnell wie möglich einen Ausreiseflug buchen sollten – unser Abflug war schliesslich schon in einer Stunde. Draussen erwartete uns – wie könnte es anders sein – erneut eine riesige Warteschlange. Wir drängelten uns kurzerhand vor und erklärten unsere Notlage. Der einzig sinnvolle Flug wäre eigentlich von Vientiane nach Hanoi gewesen. Doch die ernüchternde Antwort: „Tut mir leid, diese Strecke fliegen wir nicht.“ Also überlegten wir kurz und buchten stattdessen einen Flug von Phnom Penh nach Bangkok für den 1. November. Hauptsache, wir hatten ein Ticket in der Hand, das uns die Weiterreise sicherte. Wir waren einfach nur erleichtert. Jetzt stand unserem Flug nach Laos endlich nichts mehr im Weg. Nach rund zwei Stunden Flug landeten wir in Vientiane. Unser erster Gedanke: Wir brauchen laotisches Geld! Aber der Geldautomat am Flughafen war natürlich – wie sollte es auch anders sein – ausser Betrieb. Zum Glück hatten wir noch US-Dollar dabei, ein Geschenk meiner Eltern. Mit einem klapprigen Tuk-Tuk fuhren wir ins Stadtzentrum und versuchten dort erneut, Geld abzuheben. Zwei Automaten später – wieder Fehlanzeige.

 Schliesslich fragten wir andere Reisende, die uns aufklärten: Heute funktioniert in ganz Laos kein Geldautomat – warum, wusste niemand. Aber ab morgen soll es wieder gehen. Das war natürlich problematisch, denn unser Plan war es, noch am selben Tag weiter nach Vang Vieng zu fahren. Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass dort keine Maestro-Karten akzeptiert werden – nur VISA oder Mastercard. Nicht gerade beruhigend. Doch wie durch ein Wunder entdeckten wir eine Wechselstube und dort konnten wir endlich unser restliches Geld eintauschen. Unsere Weiterreise war gerettet! Plötzlich hielten wir etwa 7 Millionen Kip in der Hand – leider keine 7 Millionen Schweizer Franken, sondern umgerechnet rund 930.–. Aber trotzdem, ein gutes Gefühl! Jetzt aber los – zum Busbahnhof! Mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken liefen wir durch die heissen, staubigen Strassen. Plötzlich kam uns ein junger Buddhist in seiner orangen Robe entgegen. Er strahlte uns von Kopf bis Fuss an und war so freundlich, uns den ganzen Weg zur Busstation zu zeigen. Dank ihm kamen wir gerade noch rechtzeitig an, um in den Localbus nach Vang Vieng einzusteigen. Ganz hinten fanden wir zwei freie Plätze, warfen unsere Rucksäcke ab und liessen uns erschöpft in die Sitze fallen. Als wir aus dem Fenster schauten, stand der junge Mönch auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Er winkte uns mit einem breiten Lächeln und einem kleinen Schirm in der Hand zum Abschied. Das war für uns ein Zeichen. Ab jetzt wird alles gut.

Vang Vien

Tag 35

Freitag, 3. Oktober 2008
Seit drei Tagen sind wir nun in Vang Vieng, einem kleinen, charmanten Backpacker-Dörfchen, das uns auf Anhieb gefallen hat. Endlich sind wir nicht mehr die einzigen Reisenden weit und breit. Es gibt hier unzählige Möglichkeiten, die Zeit zu verbringen: Kajaktouren, Tubing auf alten LKW-Reifen im Fluss, Höhlenwanderungen, Klettern und vieles mehr. 

Ein Paradies für Outdoor-Fans! Allerdings haben wir bisher noch nichts davon ausprobiert. Die lange, holprige Busfahrt hierher hat uns nämlich beide mit einer ordentlichen Erkältung erwischt. Statt Abenteuer stand erstmal Erholung auf dem Programm. Wir haben es uns gemütlich gemacht, lecker gegessen – besonders die frischen Baguette-Sandwiches und Pancakes der Strassenverkäuferinnen sind ein Traum – und viel gelesen. Am zweiten Tag hat sich Markus dann auch noch einen heftigen Sonnenbrand eingefangen. In der darauffolgenden Nacht ging es ihm richtig schlecht: hohes Fieber, Gliederschmerzen – anfangs dachten wir, es sei die Kombination aus Erkältung und Sonnenbrand. Zum Glück regnete es den ganzen nächsten Tag durchgehend, was die Hitze etwas milderte. So konnte Markus ohne schlechtes Gewissen den ganzen Tag im Bett bleiben und sich ausruhen. Doch das Fieber blieb hartnäckig – sein Körper glühte regelrecht. In dieser Nacht machten wir uns ernsthafte Sorgen. Was, wenn es doch Dengue-Fieber war? Oder sogar Malaria? Auf den Philippinen, wo wir vorher waren, ist Malaria nicht ungewöhnlich. 

Als endlich die Sonne aufging, brachte ich Markus um 6 Uhr morgens ins Krankenhaus, das glücklicherweise gleich um die Ecke unseres Guesthouses liegt. Im Reiseführer hatte ich allerdings gelesen, dass die medizinische Versorgung in Laos eher dürftig sei – und dass man bei ernsten Fällen besser gleich nach Bangkok fliegen solle. Oh bitte nicht! Im Spital angekommen, bestätigte sich unsere Erwartung: sehr einfache Ausstattung, kaum Englischkenntnisse bei den ÄrztInnen und insgesamt eher bescheidene Bedingungen. Aber das Wichtigste: Sie konnten ihn auf Dengue und Malaria testen – beides war zum Glück negativ. Uns fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Diese Sorge war wirklich das Schlimmste gewesen. Markus bekam Antibiotika und ein paar zusätzliche Medikamente. Der ganze Spitalaufenthalt inklusive Medikamente kostete gerade mal 170000 Kip – umgerechnet etwa 23 Franken. Für Einheimische ist das viel, für uns aber extrem günstig. Jetzt hoffen wir einfach nur, dass Markus schnell wieder gesund wird – denn das ist im Moment wirklich das Allerwichtigste.

Vang Vien

Tag 36

Samstag, 4. Oktober 2008
Heute Morgen wollten wir endlich mal etwas Sportliches unternehmen! Wir sind nun schon seit sechs Tagen in Vang Vieng, und so langsam geht es Markus wieder einigermassen besser. Tagsüber fühlte er sich meist okay, doch nachts bekam er immer wieder hohes Fieber.

Jetzt aber fällt uns allmählich die Decke auf den Kopf – Zeit für ein Abenteuer: mit alten LKW-Reifen den Fluss hinunter treiben! Doch kurz bevor es losgehen sollte, mass arkus noch einmal seine Temperatur – und leider hatte er wieder leichtes Fieber. So ein Mist! Das Ganze wird langsam wirklich seltsam. In den acht Jahren, die wir nun schon zusammen sind, hatte Markus noch nie so lange Fieber. Auch er selbst konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt so krank gewesen war. Innerhalb weniger Minuten war klar: Wir packen unsere Sachen und reisen ins nächstgelegene grössere Dorf, wo – laut Reiseführer – sogar ein deutscher Arzt praktizieren soll. Die Fahrt dorthin sollte etwa drei Stunden dauern. Also entschieden wir uns wieder für den Localbus (dieser aber ein verlängertes Tuk-Tuk). Wir sassen zusammengepfercht mit mehreren Einheimischen auf harten Bänken, in gekrümmter Haltung (denn wer sich aufrichtete, stiess sich prompt den Kopf an der Decke), der Fahrtwind zog durch jede Ritze, und die Strassen – na ja, nennen wir sie „abenteuerlich holprig“. Wir sassen übrigens ganz hinten – was anfangs wie ein guter Plan klang. Bis uns beiden speiübel wurde, weil wir rückwärts aus dem offenen Heck hinausblickten. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir schliesslich bei der Klinik an. Leider war der deutsche Arzt schon wieder in seine Heimat zurückgereist, aber ein sehr freundlicher, englischsprachiger Arzt nahm sich Markus fürsorglich an.

 Die Klinik wirkte immerhin schon deutlich mehr wie ein richtiges Krankenhaus, und wir fühlten uns gleich sicherer. Markus wurde gründlich untersucht und diesmal wurde sogar eine Blutprobe genommen. Das Ergebnis: Kein Malaria – zum Glück! Aber seine weissen Blutkörperchen waren zu niedrig, was in 1–2 Tagen nochmals überprüft werden müsse. Puh, wir waren deutlich beruhigter. Und das Beste: Die ganze Behandlung, inklusive Medikamenten kostete gerade mal CHF 5.70. Wahnsinn! Dann stellte sich die Frage: Wohin jetzt? Zurück nach Vang Vieng, wo wir endlich was unternehmen könnten, oder direkt weiter nach Vientiane, der Hauptstadt, von wo aus wir in vier Tagen nach Hanoi fliegen? Nach dieser langen, rumpeligen Anreise wollten wir uns die Rückfahrt wirklich nicht nochmal antun – also: auf nach Vientiane! In der Hoffnung, diesmal einen grösseren und bequemeren Bus erwischt zu haben, wurden wir bitter enttäuscht. Wieder drei Stunden in genau demselben Tuk-Tuk wie zuvor, zusammengesunken und durchgeschüttelt. Wir kamen uns vor wie Flüchtlinge auf der Flucht aus dem Land – ein absurder, eigentlich trauriger Gedanke, der uns dennoch zum Lachen brachte. Vielleicht war’s auch einfach nur der Erschöpfung geschuldet. Als wir schliesslich in Vientiane ankamen und uns in einem Backpacker-Hostel einquartierten, waren wir einfach nur glücklich, uns endlich wieder ausstrecken zu können. Und kaum lagen wir auf den Betten, fielen wir beide in einen tiefen, festen Schlaf.

Vientiane

Tag 37

Sonntag, 5. Oktober 2008
Heute Morgen sind wir aufgewacht und haben unser Zimmer zum ersten Mal richtig unter die Lupe genommen – gestern waren wir dafür einfach viel zu müde. Kennt ihr den Film The Beach mit Leonardo DiCaprio? 

Die Szene, in der er in Bangkok in der Khaosan Road übernachtet – in einem schäbigen Backpacker-Hostel mit dünnen Wänden, durch die man jedes Geräusch vom Nebenzimmer hört? Und diese seltsamen Fenster oben an der Wand, die direkt ins Nachbarzimmer führen? Genau so sieht unser Zimmer aus! Total spooky!
Zum Glück ist unser Nachbar (bisher) harmlos. Wir hören nur ein sanftes, fast schon liebevolles Schnarchen.

Besser so als anders, oder? Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg und haben den ganzen Tag lang das Städtchen erkundet – bei drückender Hitze, versteht sich. Am Abend sind wir dann auf ein tolles kleines Restaurant gestossen, wo es richtig gute Pasta zu fairen Preisen gab. Ein echter Leckerschmaus!

Vientiane

Tag 39

Dienstag, 7. Oktober 2008
Heute waren wir in Vientiane in der „International Clinic“, um bei Markus noch einmal einen Bluttest machen zu lassen. Unsere Hoffnung, dass seine weissen Blutkörperchen inzwischen wieder im Normalbereich sind – und wir das Thema endlich abhaken können. 

Als die Ärztin die bisherigen Laborergebnisse aus dem vorherigen Krankenhaus durchsah, runzelte sie die Stirn und sagte trocken: „Ach ja, das war bestimmt Dengue-Fieber. Die Symptome passen perfekt.“ Wir wurden beide schlagartig kreidebleich. Dengue?! Das war bisher nur eine entfernte Befürchtung gewesen, und jetzt das. Wir hofften inständig, dass sie sich irrte. Zwei lange Stunden später ging Markus noch einmal zur Klinik, um die neuen Ergebnisse abzuholen. Und dann kam er – mit strahlenden Augen und einem breiten Grinsen. Alles in Ordnung!

Die weissen Blutkörperchen sind wieder im Normalbereich – und Dengue war’s nicht!“ Juhuu! Uns fiel wirklich ein riesiger Stein vom Herzen. Die Erleichterung war kaum in Worte zu fassen. Markus ist wieder gesund – und offiziell „geheilt“. Zur Feier des Tages gönnte er sich am Abend einen riesigen Teller voller Schnecken. Igitt. Aber hey – das beste Zeichen dafür, dass er wieder ganz der Alte ist, oder?

Vientiane

Tag 40

Mittwoch, 8. Oktober 2008
Übrigens nur mal so nebenbei: Was wir hier alles an kulinarischen „Spezialitäten“ gesehen haben, ist wirklich nichts für zarte Gemüter.

Auf den Philippinen – gibt's zum Beispiel Kuhhaut-Suppe und Spiesse mit Hühnerdärmen. Doch in Laos wird noch eine Schippe draufgelegt. Hier haben wir unter anderem entdeckt: Gegrillte Fledermäuse, gekochte Hühnereier mit bereits entwickeltem Küken darin, Kakerlaken am Spiess, Maden – lebendig als Snack, wie bei uns Erdnüsse oder auch mariniert und knusprig gegrillt auf dem Rost, Hühnerfüsse als Delikatesse und das Schlimmste: 

Lebendige Frösche, zusammengebunden und aufgehängt – man sticht ihnen einfach per Hand einen Draht durch die Beine, um sie zum Verkauf aufzuhängen. Ganz ehrlich, das ist einfach nur schwer zu ertragen. Tierquälerei pur – und absolut nichts, was wir als "Kulturunterschied" abtun könnten.

Vietnam


Vietnam – das ist ein Land voller Farben, Kontraste und lebendiger Geschichten. Von den nebelverhangenen Bergen im Norden bis zu den tropischen Stränden im Süden zieht sich ein faszinierender Streifen Land, der Reisende in seinen Bann zieht. Hupende Rollerströme, dampfende Garküchen, koloniale Architektur und alte Tempelruinen – hier trifft Tradition auf Moderne, Chaos auf Gelassenheit und Natur auf Geschichte. Ob man durch die engen Gassen von Hanoi schlendert, die majestätische Halong-Bucht mit dem Boot erkundet, durch sattgrüne Reisterrassen wandert oder sich dem Trubel in Ho-Chi-Minh-Stadt stellt – Vietnam überrascht immer wieder aufs Neue. Und während sich das Land rasant entwickelt, bleibt die Herzlichkeit der Menschen und die Tiefe seiner Kultur bestehen.

Hanoi

Tag 41

Donnerstag, 9. Oktober 2008
Zum letzten Mal frühstückten wir in der charmanten „Skandinavien Bakery“ – und was für ein Abschluss! Wir gönnten uns knusprige Baguettes und ofenfrische Croissants, bis wir satt und glücklich waren. Denn schon am Mittag stand unser Weiterflug nach Hanoi auf dem Plan, wo wir am Abend endlich unsere lang ersehnte Selina treffen sollten. 

Der Flug verlief angenehm und ruhig. Nach etwas mehr als 1 Stunde landeten wir bereits am Flughafen von Hanoi. Von dort aus nahmen wir den Stadtbus, der uns direkt in die Altstadt brachte. Während der Fahrt beobachteten wir fasziniert das bunte, chaotische Treiben auf den Strassen – ein regelrechtes Verkehrschaos aus unzähligen Vespas, hupenden Autos und Menschen, die scheinbar mühelos durch das dichte Gewusel die Strasse überquerten. Unglaublich, wie das alles irgendwie funktioniert, auch wenn leider täglich rund 40 Menschen im vietnamesischen Strassenverkehr ums Leben kommen. Vom Busbahnhof aus nahmen wir noch ein Taxi, das uns direkt zu unserem vorab gebuchten Hotel brachte. Selina hatte es bereits von der Schweiz aus organisiert – und was sollen wir sagen: wow! Eine wunderschöne Suite wartete auf uns, die wir zu dritt bewohnen würden. Markus und ich kamen gegen 18 Uhr im Hotel an und verspürten langsam Hunger. Da Selinas Ankunft erst für 21 Uhr geplant war, beschlossen wir, schon mal einen Spaziergang durch die Altstadt zu machen und etwas Kleines zu essen. 

Laut Reiseführer sind die Hanoier ja Früh-Esser. Markus wollte unbedingt etwas Einheimisches probieren, also setzten wir uns kurzerhand zu den Locals an einen Strassenstand auf winzige Plastikstühlchen. Eine Speisekarte gab es nicht, Englisch verstand auch niemand, doch dank eines supernetten vietnamesischen Gastes, der uns half, bekamen wir für umgerechnet nur 5 Franken ein köstliches Tischgrill-Gericht. Auf unserem kleinen Tisch stand plötzlich ein Minigrill, dazu gab es eine grosse Fleisch- und Gemüseplatte, Brot und frischen Salat. Das Essen war einfach fantastisch – würzig, frisch und unglaublich lecker! Es erinnerte uns stark an unsere Raclette-Abende zu Hause in der Schweiz – nur eben mit vietnamesischem Flair. Natürlich rochen wir danach wie zwei frittierte Pommes, aber das war’s absolut wert. Zurück im Hotel gönnten wir uns eine schnelle Dusche und warteten dann gespannt auf Selina. Und endlich, gegen 21 Uhr, war es so weit: Sie trat ins Zimmer, und das Wiedersehen war einfach wunderschön. Wir alle freuten uns riesig, dass dieser Tag endlich gekommen war.

Hanoi

Tag 41

Donnerstag, 9. Oktober 2008
Unsere liebe Selina – ein echtes Herz auf zwei Beinen, fast wie eine kleine „Mutter Theresia“ – landete am Abend in Hanoi. Kaum angekommen, stieg sie in ein Taxi und liess sich sofort von der freundlichen Art des Fahrers und dessen Kumpel auf dem Beifahrersitz einlullen. 

Die beiden plauderten charmant drauflos, Selina fühlte sich wohl, lächelte viel und schenkte ihnen schnell ihr Vertrauen. Der Deal war klar: Für 15 Dollar sollte sie direkt zum Hotel gebracht werden. Doch während der Fahrt änderte sich plötzlich der Ton. Der Fahrer erklärte, sie könne nun doch nicht in Dollar zahlen, stattdessen solle sie lieber vietnamesische Dong abheben. Er würde sie schon zu einem Geldautomaten fahren. Dort angekommen, half er ihr – natürlich ganz hilfsbereit – am Automaten und tippte gleich mal 2 Millionen Dong ein. "Das entspricht in etwa den 15 Dollar", meinte er lässig, nahm das Geld direkt an sich und – zack – steckte es in die Tasche. Währenddessen war Selinas Gepäck bereits aus dem Wagen auf den Bordstein verfrachtet worden.

 Und ehe sie sich versah, gaben die beiden Gas und waren spurlos verschwunden. Alles ging viel zu schnell. In Selinas Kopf überschlugen sich die Gedanken: Mein Gepäck hätte ich doch immer im Auge behalten sollen! Die ungewohnte Währung, der Stress nach der Reise, die Vorfreude aufs Wiedersehen mit uns – es war einfach zu viel auf einmal. Erst später rechnete sie nach: 2 Millionen Dong – das entsprach rund 143 Schweizer Franken! So schnell, wie sie das Geld abgehoben hatte, war es auch schon verschwunden – vermutlich ein ganzer Monatslohn oder mehr für den cleveren Taxifahrer. Unsere gutmütige Selina wurde von ihrer Offenherzigkeit eingeholt – mit einem teuren Empfang in Vietnam. 

Hanoi

Tag 42

Freitag, 10. Oktober 2008
Heute haben wir unsere dreitägige Tour in die Halong-Bucht gebucht und für die zusätzliche Nacht in Hanoi eine neue, günstigere Unterkunft gefunden – ganz in der Nähe des Hoan-Kiem-Sees.

 Am Nachmittag sind wir durch die Altstadt geschlendert, ständig umgeben vom chaotischen, aber irgendwie charmanten Verkehr der hupenden Vespas. Zum Mittagessen gab es etwas Leckeres direkt am See, mit schöner Aussicht inklusive. 

Für den Abend haben wir uns Tickets für das berühmte Wasserpuppentheater gesichert. Die Vorstellung war wirklich beeindruckend – sowohl visuell als auch musikalisch ein echtes Erlebnis.

Halong Bay

Tag 43

Samstag, 11. Oktober 2008
Früh morgens, um 7 Uhr, wurden wir vom Hotel geweckt. Das Frühstück wurde uns direkt ans Bett gebracht, ein wirklich angenehmer Start in den Tag. Bereits um 7:30 Uhr wurden wir vom Minibus abgeholt und wir machten uns auf die rund vierstündige Fahrt zur Halong-Bucht. 

Dort angekommen, stiegen wir auf eines der zahlreichen, wunderschönen Holzboote – sogenannte Dschunken – und begannen unsere Fahrt durch die atemberaubende Bucht mit ihren majestätischen Kalksteinfelsen, die sich überall aus dem Wasser erheben. Am Nachmittag besuchten wir eine riesige Tropfsteinhöhle, geschmückt mit glitzernden Stalaktiten und Stalagmiten. Leider wurde die Höhle bunt ausgeleuchtet, was das Naturwunder für unseren Geschmack etwas kitschig wirken liess. Sowohl Mittag- als auch Abendessen wurden an Bord serviert – die Crew gab sich grosse Mühe, und wir wurden jedes Mal mehr als satt.

Gegen Abend, in der Dämmerung, wagten wir uns noch mit dem Kajak aufs Wasser. Der Sonnenuntergang war trotz des diesigen Himmels – was hier offenbar recht typisch ist – ein wunderschöner Moment. Die Sonne glühte schwach durch den Nebel, was der Szenerie eine fast mystische Stimmung verlieh. Die Atmosphäre in der Bucht und vor allem auf unserem charmanten Schiff war einfach unbeschreiblich. Für einen Moment fühlten wir uns wie echte Seefahrer – frei, ruhig und der Natur ganz nah.

Cat Ba

Tag 44

Sonntag, 12. Oktober 2008
Die Nacht auf dem Schiff war sehr komfortabel, und zum Glück wurde niemand von uns seekrank. Da wir von unzähligen Kalksteinfelsen umgeben waren, war das Wasser angenehm ruhig – ein echtes Glück für eine entspannte Übernachtung. 

Am Morgen gönnte sich Markus zur Erfrischung einen Schwimmzug im Meer und legte dabei bestimmt fast einen Kilometer bis zur nächsten Insel zurück. Leider mussten wir das gemütliche Schiff viel zu früh verlassen und wurden zur Insel Cat Ba gebracht. Dort bestiegen wir innerhalb von zwei Stunden einen Berg im Nationalpark und wurden auf dem Gipfel mit einem atemberaubenden Ausblick auf die umliegende Landschaft belohnt. Abgesehen davon gefiel uns Cat Ba allerdings überhaupt nicht. Die Insel wirkte eher trostlos, und die Einheimischen, mit denen wir zu tun hatten, waren ziemlich unfreundlich und zeigten wenig Interesse an den Touristen. 

Das Dorf schien ziemlich vernachlässigt zu sein. Auch die drei Strände, die die Insel zu bieten hat, waren wenig spektakulär. Am nächsten Morgen fuhren wir dann in einem überfüllten Minibus zurück zum Hafen. Von dort ging es wieder aufs Boot und anschliessend die lange, etwa vierstündige Fahrt zurück nach Hanoi. Am Abend nahmen wir den sogenannten „Sleeping Bus“ nach Hue. Dieser Bus war wirklich etwas Besonderes. Es gab richtige Liegesitze, in denen man bequem schlafen konnte. Nur ich hatte leider ein bisschen Pech und konnte meine Beine nicht komplett ausstrecken. Trotzdem verging die zwölfstündige Fahrt wie im Flug.

Hué

Tag 47

Mittwoch, 15. Oktober 2008
An diesem Morgen mieteten wir drei Fahrräder, um entspannt durch die Gegend zu radeln und etwas Kultur zu erleben. Auf unserem Programm standen die „Kaiserstadt“ und die „Thien Mu“-Pagode. Unterwegs kauften Markus und ich von einem sympathischen „Fraueli“ zwei Mundschutzmasken – hier ist der Verkehr zwar deutlich angenehmer als in Hanoi, aber die Masken fanden wir einfach witzig. 

Es gibt sie in allen Farben, doch trotzdem sahen wir aus, als hätten wir die Pest. Sowohl die Kaiserstadt als auch die Pagode waren sehr beeindruckend und sehenswert. Auf dem Rückweg hielten wir in einer kleinen, charmanten Gasse an und assen bei einer Strassenverkäuferin auf winzigen Plastikstühlen eine einheimische Suppe. Oh je, da war wirklich alles drin! Ich gab Markus schon mal die unidentifizierbaren Stücke weiter und beschränkte mich lieber auf die kräftige Brühe mit Nudeln – ich bin ja nicht gerade experimentierfreudig und esse nur, was ich kenne. Aber die Suppe war wirklich köstlich! Selina war da mutiger. Sie probierte die Fleischbällchen und ein komisches Etwas, das sie aber schnell wieder ausspuckte – es war eine Fettschwarte. Markus ist sowieso der „Alles-Probierer“ und hätte auch das dunkelbraune Stück im Topf probiert, das aber nur für die Einheimischen reserviert war. Nach dieser leckeren, scharfen Suppe für gerade mal 40 Rappen sattelten wir wieder unsere Räder und radelten weiter bis zu einem Markt. Natürlich hielten wir an und schlenderten hindurch. Meine Mundschutzmaske kam dabei wieder zum Einsatz – denn die Gerüche dort, puh! Hier entdeckten wir auch, dass das braune Stück, das in der Suppe schwamm und wie Schokolade aussah, tatsächlich Leber war. Pfui Teufel! Langsam wurde es dunkel, und wir machten uns auf den Heimweg. Plötzlich bremste Markus scharf und rief in einen Coiffeursalon: „How much?“ Für gerade mal 20000 Dong – weniger als 1,50 CHF – liess er sich von einem Einheimischen die Haare schneiden. Das war eine lustige Aktion! Selbst die anderen Kunden fanden es amüsant, und Markus wurde sofort hereingebeten, obwohl schon zwei andere warteten. 

Er fühlte sich wie ein Ehrengast, der auf Händen getragen wird. Der Salon war in einer Garage untergebracht und verfügte wirklich nur über das Nötigste. Mit einer quirligen Schere schnippelte und schnitt der Friseur im Nu Markus’ Haare ab.Zur Feier des neuen, gelungenen Haarschnitts fuhren wir in unser Lieblingsrestaurant „Cathi“. Selina und Markus probierten das lokale Bier – ein Getränk, das mit Bier eigentlich wenig zu tun hat, sondern eher nach scharfen Gewürzen oder einer hochprozentigen Spirituose schmeckt. Ich stiess lieber mit einem klassischen, kühlen Bier an. Während wir mit den herzlichen Angestellten plauderten, kamen wir auf unsere Mundschutzmasken zu sprechen und erfuhren, dass sie hier einen ganz anderen Zweck erfüllen als bei uns. Nicht als Schutz vor Abgasen, sondern um die Haut vor der Sonne zu schützen und ein Bräunen im Gesicht zu vermeiden. Wir mussten alle herzlich darüber lachen.  Übrigens sollte man hier beim Kauf von Pflegeprodukten genau hinschauen, denn fast überall steckt „Whitening“ drin – in Cremes, Seifen und sogar in Deodorants. Die Menschen hier möchten lieber hellere Haut, während wir die gesunde Bräune lieben. Nach unserem „Schlummi“ sattelten wir wieder unsere Fahrräder, um ein neues Restaurant fürs Abendessen auszuprobieren. Plötzlich wurden wir von einem Schweizer angesprochen, und wir kamen ins Gespräch. Schliesslich landeten wir alle zusammen im Restaurant und tauschten unsere Vietnam-Erlebnisse aus. Er reist dieselbe Route wie wir, allerdings allein und mit seinem bescheidenen Fahrrad.

Hoi An

Tag 49

Freitag, 17. Oktober 2008
Seit gestern sind wir nun in Hoi An – und es regnet in Strömen. Das ganze Dorf scheint sich in ein Meer aus kleinen, bunten „Geisterlein“ verwandelt zu haben, denn hier trägt jeder diese Einweg-Regenmäntel mit Kapuze. Das sieht wirklich lustig aus. Das Wetter bereitet uns allerdings schon Sorgen – zum einen natürlich wegen uns, zum anderen aber auch wegen der Einheimischen, die hier leben. 

Im Internet habe ich gelesen, dass das regnerische Wetter leider die nächsten acht Tage anhalten soll. Eine Änderung unserer Reiseroute lohnt sich kaum, denn in ganz Südostasien ist eine Schlechtwetterfront unterwegs. Wenn der Regen hier so weitergeht, wird die Stadt bald unter Wasser stehen. Als wir am Nachmittag trotz des Wetters einen Spaziergang durch das charmante Dorf machten, staunten wir nicht schlecht. Der untere Teil des Ortes war bereits komplett überflutet – etwa 50 Zentimeter tief stand das Wasser. Die Einheimischen holten ihre kleinen Holzboote hervor und fuhren damit durch die Strassen, fast wie in Venedig. Das war ein beeindruckender, aber auch bedrückender Anblick.

Wir hatten wirklich Mitleid mit den Menschen hier. Letztes Jahr war das Wasser sogar bis zu einem Meter hoch gestiegen. Hoffen wir, dass es diesmal nicht so schlimm wird. In einem der unzähligen kleinen Kleiderläden liessen wir uns ein paar Kleidungsstücke nach Mass anfertigen – supergünstig und in kurzer Zeit. Die Stoffqualität ist hier zwar nicht ganz so hochwertig wie in Thailand, aber dafür deutlich preiswerter. Am Abend mieteten wir im Hotel einen DVD-Player mit vier brandneuen Filmen – ein richtig gemütlicher Fernsehtag, wie wir ihn von Sonntagen in der Schweiz kennen. Wir haben es so richtig genossen!

Hoi An

Tag 50

Samstag, 18. Oktober 2008
Voller grosser Erwartungen und gespannt darauf, wie unsere Kleider wohl aussehen würden, sind wir früh aufgestanden. Selina und ich liessen uns jeweils eine Herbstjacke anfertigen – und zu unserer grossen Freude sind sie wirklich sehr schön geworden.

Mit der Stoffqualität sind wir zwar nicht ganz zufrieden, aber das wussten wir bereits vorher.  Für 32 Dollar pro Jacke kann man wirklich nicht meckern. Markus brachte seine Lieblingshose als Muster vorbei, und auch diese wurde wunderschön und passgenau geschneidert. Er war so begeistert, dass er gleich noch zwei weitere Hosen sowie ein seidiges Pyjama mit Kapuze anfertigen liess. Unser ohnehin schon schwerer Backpacker ist dadurch natürlich noch schwerer geworden. Ein Paket aufzugeben haben wir uns nicht getraut, da wir gelesen hatten, dass Sendungen nach Europa manchmal gar nicht ankommen oder bis zu vier Monate unterwegs sein können.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg ins Dorf zur Küste und mussten mit Bedauern feststellen, dass der untere Teil immer noch tief im Wasser stand. Glücklicherweise hatte es aufgehört zu regnen, doch der Wasserspiegel war weiterhin viel zu hoch. Wir liessen uns von zwei „Frauelis“ auf ihren kleinen Holzbooten durch die überfluteten Gassen chauffieren. Das Ausmass der Überschwemmung war erschütternd, und uns taten die Bewohner des Dorfes sehr leid. Am Abend kehrten wir wieder in unser Lieblingsrestaurant ein und genossen dazu einen richtig guten einheimischen Rotwein. 

Hoi An

Tag 51

Sonntag, 19. Oktober 2008
Die Menschen hier in Hoi An sind einfach unglaublich herzlich, gastfreundlich und liebenswert. Das durften wir heute gleich mehrfach hautnah erleben. Zuerst bei den sympathischen Schneiderinnen Gestern, bei denen wir unsere tollen Kleider anfertigen liessen. 

Denn jedes Mal, wenn wir vorbeikamen oder etwas nachbessern lassen wollten – Markus musste seine Hosen und das Pyjama gleich mehrmals ändern lassen, bis alles passte – schenkte man uns ein liebevolles Lächeln und reichte uns ein frisches Wasser. Beim Mittagessen in unserem Lieblingsrestaurant erlebten wir eine weitere grosse Herzlichkeit. Als wir die Rechnung begleichen wollten, gaben sie uns den vollen Betrag zurück! Wir konnten kaum fassen, wie wir so etwas verdient hätten. Klar, wir sind mittlerweile Stammgäste, aber uns einfach das ganze Mittagessen zu spendieren, war uns fast ein bisschen zu grosszügig. Wir versuchten, abzulehnen, aber letztlich nahmen wir das Angebot dankbar an – andernfalls hätten sie sich wohl beleidigt gefühlt. Am Nachmittag spazierten wir durch die Gassen und wollten unseren seidigen Schlafsack, den wir gestern gekauft hatten, zurückgeben. Er war für die kleinen Asiaten gemacht und für uns Europäer viel zu klein – gerade mal bis zum Bauch. 

Also wollten wir ihn gegen einen grösseren tauschen oder eben zurückgeben. Leider hatten sie keine grössere Grösse, aber sie nahmen den Schlafsack ohne grosses Aufheben zurück und erstatteten uns sogar den vollen Betrag. So eine liebe Geste! Wir versuchten, ihnen als Dank einen kleinen Betrag zu geben, aber sie lehnten wiederholt ab. Die Menschen hier haben im Vergleich zu uns so wenig, sind dabei aber unglaublich ehrlich, freundlich und grosszügig. Beim letzten Spaziergang durch die Gassen – heute Abend geht unsere Reise weiter nach Nha Trang – entdeckten wir einen wunderschönen vietnamesischen Laden mit Geschirr und Accessoires. Besonders typisch sind hier die Lackarbeiten in vielfältigen Farben und Formen. Wir hätten am liebsten den halben Laden leergekauft. Letztendlich konnten wir der Versuchung nicht widerstehen und kauften einige schöne Stücke. Ein riesiges Paket wird nun in die Schweiz verschickt. Hoffentlich kommt es auch gut an!

Nah Trang

Tag 52

Sonntag, 20. Oktober 2008
Es wurde langsam Zeit, Abschied von Hoi An zu nehmen. So stiegen wir wieder in den bequemen Sleepingbus und fuhren zwölf Stunden weiter nach Nha Trang. Das Städtchen erinnerte uns ein bisschen an die Costa Brava in Spanien. Für die Vietnamesen ist Nha Trang ihr beliebtester Ferienort.

Uns war der Strand und das Zentrum allerdings etwas zu gross und verloren dadurch den charmanten, gemütlichen Flair, den wir von den bisherigen Stränden kannten. Trotzdem waren wir alle überglücklich, endlich wieder einen ganzen Tag am Meer verbringen zu können – faulenzen, lesen und im Meer schwimmen. Herrlich!  Diesmal war am Abend nicht nur Markus als „roter Krebs“ unterwegs, sondern auch Selina hatte es fast überall erwischt – sogar ihre Kopfhaut war verbrannt. 

Zum Mittagessen gab es typisch vietnamesische Gerichte, und zwischendurch bestellte Markus am Strassenrand wieder einen Teller voller Schnecken, während Selina ganz besondere Muscheln probierte. Diese sehen aus wie Bambusstangen und stecken im Meeresboden fest. Deshalb müssen sie extrem gründlich gereinigt werden, sonst isst man mehr Sand als Fleisch. 

Mui Ne

Tag 54

Dienstag, 22. Oktober 2008
Am nächsten Tag ging unsere Reise weiter nach Mui Ne. Hier ist alles viel ruhiger, gemütlicher und weniger touristisch – also viel schöner. Wir sind wirklich froh, dass wir einen Tag früher abgereist sind und nun länger hier bleiben können. 

Zu unserem Glück fanden wir eine nagelneue Hotelanlage, die gerade noch im Aufbau war. Das Design erinnerte uns an moderne Chalets im Engadin – klingt ungewöhnlich, passt aber überraschend gut und hat definitiv seinen eigenen Charme. Für nur 12 Dollar bekamen wir ein riesiges, wunderschönes Zimmer mit grossem Balkon – purer Luxus! Wer da noch meckert, ist selber schuld. Am nächsten Morgen standen wir schon um 4 Uhr früh auf, denn für den ganzen Vormittag hatten wir einen Fahrer mit einem lässigen Jeep gemietet. 

Er brachte uns zu den beeindruckenden roten Sanddünen. Natürlich hofften wir auf einen unvergesslichen Sonnenaufgang, doch leider war der Himmel zu bewölkt. Trotzdem war die Atmosphäre atemberaubend. Am Nachmittag legten wir uns dann nochmal an den Strand und liessen uns von der Sonne verwöhnen – diesmal ganz ohne Sonnenbrand! 

Ho-Chi-Minh

Tag 55

Mittwoch, 23. Oktober 2008
Am nächsten Tag brachte uns der Bus in sechs Stunden nach Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt). Es war bereits dämmerig, und nach der langen Fahrt wollten wir nur noch schnell eine günstige Unterkunft finden und endlich eine warme Mahlzeit geniessen.

Wir entdeckten ein preiswertes Hotelzimmer, das zwar mitten in den verwinkelten Gassen lag und einen äusserst einfachen Standard bot – ehrlich gesagt, ziemlich schmuddelig. Aber nach so einer langen Reise war uns das im Moment völlig egal. Übrigens kostete das Zimmer ungefähr genauso viel wie unser schönes Appartement gestern. Doch das Highlight des Abends war das tolle italienische Restaurant, in dem wir unsere leeren Mägen mit köstlicher Pasta und Pizza füllten. Hmmmm, das tat richtig gut Überraschenderweise hat uns Saigon sehr positiv beeindruckt. Wir hatten es uns viel hektischer vorgestellt als Hanoi, doch hier geht es deutlich ruhiger zu. 

Die Autofahrer und Vespafahrer hupen wirklich nur in wichtigen Situationen. Dennoch ist das wichtigste Fortbewegungsmittel nach wie vor das Moped. Von den acht Millionen Einwohnern hier besitzen vier Millionen eine Vespa. Sie nutzen sie für alles: sei es, um den Hund im Park auszuführen, die ganze Familie – gerne zu viert, manchmal sogar zu fünft – zu transportieren oder sogar Kleiderschränke und Glasplatten quer durch die Stadt zu bringen. Zur Feier des Tages gönnten sich Selina und ich eine Maniküre in einem Salon, während Markus nochmal einen Friseur für seine „heiligen“ Haare aufsuchte.

Cu Chi

Tag 56

Donnerstag, 24. Oktober 2008
Heute stand wieder ein kulturelles Highlight auf dem Programm. Wir fuhren mit dem Bus nach Cu Chi, zu den berühmten unterirdischen Tunneln, die die Vietnamesen während des Krieges erbaut hatten. Bevor es aber zu den Tunneln ging, machten wir einen Zwischenstopp in einer Lackfabrik. 

Dort arbeiten Menschen mit Behinderung, die hier unterstützt werden und ihre künstlerischen Fähigkeiten voll ausleben können. Für uns drei war diese Lackfabrik unglaublich beeindruckend und faszinierend. Die aufwändig in mehreren Schritten gefertigten Bilder, Vasen, Schalen und Töpfe waren wahnsinnig schön. Am liebsten hätten wir uns gleich dazu gesetzt und eine Woche lang mitgearbeitet, um ihre Techniken und Tricks zu lernen. Unsere Tour führte uns dann weiter zu den Cu Chi Tunneln. Trotz strömenden Regens machten wir die Führung mit – am Ende waren wir komplett durchnässt. 

Das beeindruckendste Erlebnis waren die unterirdischen Tunnel selbst. Ein dunkles, schweisstreibendes und klaustrophobisches Abenteuer. Während man selbst durch die engen Gänge kroch, war kaum vorstellbar, dass Menschen hier wochenlang gelebt haben sollen, ohne jemals einen Lichtstrahl zu sehen. Am Abend gönnten wir uns in Saigon unser Abschiedsbier. Da Markus und ich bei Selinas Ankunft in Hanoi ein paar Stunden zuvor schon ohne sie das köstliche Tischgrillgericht genossen hatten, bestellten wir es diesmal alle drei zusammen. Es schmeckte auch hier in Saigon wieder hervorragend – ein perfekter Abschluss für Selinas Aufenthalt.

Kambodscha

Kambodscha – ein Land voller Geheimnisse, Kontraste und berührender Geschichten. Weltberühmt ist es vor allem wegen der majestätischen Tempelanlage Angkor Wat, einem der beeindruckendsten Kulturschätze Asiens. Doch wer tiefer eintaucht, entdeckt viel mehr: schwimmende Dörfer auf dem Tonle-Sap-See, dichte Dschungellandschaften, koloniale Relikte in Städten wie Battambang und das lebendige Chaos der Hauptstadt Phnom Penh. Kambodscha fasziniert – nicht nur mit seiner alten Khmer-Kultur, sondern auch mit seiner tragischen Vergangenheit. Die Narben der Schreckensherrschaft der Roten Khmer sind vielerorts noch spürbar, doch das Land blickt mit bemerkenswerter Stärke und Lebensfreude in die Zukunft. Reisende erwartet hier eine Mischung aus herzlicher Gastfreundschaft, tief verwurzelter Spiritualität, exotischer Küche und eindrücklicher Geschichte. Kambodscha ist kein Land, das man nur „besucht“ – es ist ein Ort, der einen berührt und bleibt.

Chau Doc

Tag 57

Freitag, 25. Oktober 2008
Ohje, der Moment des Abschieds war gekommen. Wir mussten uns von Selina verabschieden. Die zwei Wochen, die wir gemeinsam durch Vietnam gereist sind, sind wie im Flug vergangen. Wir alle haben diese Zeit unglaublich genossen – die Erlebnisse, Eindrücke und Abenteuer werden wir nie vergessen.

Mit feuchten Augen verliessen wir um 7:30 Uhr Saigon und winkten ihr zum Abschied nach. Eine Stunde später reiste auch sie weiter – für eine Woche nach Thailand. Für Markus und mich ging die Reise in Richtung Kambodscha weiter. Zunächst fuhren wir drei Stunden mit dem Bus ins Mekong-Delta. Dort stiegen wir in ein traditionelles Holzboot und schipperten über den Mekong-Fluss – vorbei an den schwimmenden Märkten, kleinen Häusern auf Stelzen und dem geschäftigen Treiben am Wasser. Besonders spannend war der Besuch eines Dorfes, in dem die Menschen noch nach alten Traditionen leben. 

Ein eindrücklicher Einblick in ein ganz anderes Leben. Nach der Bootstour ging es mit dem Bus weiter, weitere drei Stunden, bis zur vietnamesisch-kambodschanischen Grenze nach Chau Doc. Den ganzen Tag über hatten wir kaum etwas gegessen – entsprechend gross war unsere Hoffnung, dort ein nettes Dorf mit einladenden Restaurants zu finden. Leider wurden wir enttäuscht. Chau Doc stellte sich eher als trostlose Kleinstadt mit sehr bescheidenen Möglichkeiten heraus. Wir assen dann notgedrungen im Hotel (einer ziemlichen Bruchbude) und gingen früh schlafen.

Phnom Penh

Tag 58

Samstag, 26. Oktober 2008
Am nächsten Tag wollten wir eigentlich die gemütliche, achtstündige Bootstour auf dem Mekong nach Kambodscha machen. Doch nach einigen zähen Diskussionen verfrachtete man uns schliesslich doch auf das Schnellboot – ohne dass wir den Aufpreis zahlen mussten.

Natürlich hätten sie den gerne kassiert, aber wir blieben stur. Letztlich war es für die Veranstalter günstiger, nur ein Boot nach Phnom Penh fahren zu lassen, statt zwei verschiedene. Die Fahrt war in Ordnung, aber ehrlich gesagt kein besonderes Highlight. Vielleicht lag es daran, dass wir im eher kahlen Speedboot sassen statt im charmanten Holzboot – oder daran, dass ich die halbe Strecke verschlafen habe. Dafür kamen wir bereits am frühen Nachmittag in Phnom Penh an und fanden ein Hotel ganz in der Nähe des Flusses. Was uns sofort auffiel: die spürbare Armut. Überall auf den Strassen sahen wir Kinder, die versuchten, irgendetwas zu verkaufen. 

Ganze Familien leben am Strassenrand, und viele Menschen mit körperlichen Einschränkungen bitten um Almosen. Diese Bilder lassen einen nicht kalt – man kann und will sie nicht einfach ignorieren. Wir versuchen, dort zu helfen, wo wir können – sei es mit etwas Geld oder mit einer Kleinigkeit zu essen. Trotz der schwierigen Lebensumstände begegnen uns die Menschen hier mit unglaublicher Freundlichkeit, strahlen uns an und sind sehr hilfsbereit. Klar, manchmal kann es auch etwas anstrengend sein, wenn einem ständig etwas verkauft werden soll – aber da hilft nur: freundlich bleiben, kurz lächeln und dann einfach weitergehen.

Siam Reap

Tag 59

Sonnntag, 27. Oktober 2008
Gleich nach dem Mittagessen setzten wir unsere Reise mit dem Bus in Richtung Siem Reap fort. Irgendwie hatten wir da wohl etwas falsch aufgeschnappt – wir waren fest davon überzeugt, dass die Fahrt nur etwa zwei Stunden dauern würde.

Nach drei Stunden legte der Bus dann den ersten Halt ein, und ich war neugierig genug, endlich mal im Reiseführer nachzuschauen. Tja., laut Buch dauert die Strecke sechs bis acht Stunden. Hoppla! Da hatten wir uns wohl um ein paar Stündchen verschätzt. An diesem Zwischenstopp wurde es dann richtig kulinarisch verstörend. Die Verkaufsstände boten alles an, was man sich lieber nicht vorstellen möchte: Bergeweise Kakerlaken, frittierte Würmer, Spiesschen mit Babyküken, gefüllte Frösche – und der Höhepunkt: gebratene Vogelspinnen. Ich stand da, starrte entsetzt auf diese Gruselküche und ich wurde schlagartig bleich im Gesicht. Wenn sie schon so eine Riesen-Schüssel voller Vogelspinnen ausstellen – wer weiss, wo die lebenden Exemplare gerade herumkrabbeln? Mir lief es eiskalt den Rücken runter. Markus blieb erstaunlich cool – oder zumindest tat er so. Ohne zu zögern bestellte er eine Kakerlake und eine Vogelspinne zum Probieren. Zwei Deutsche sahen das und wollten natürlich auch den starken Abenteurer raushängen lassen – wobei am Ende nur einer wirklich durchzog. Ich stand derweil fassungslos daneben und hielt natürlich die Kamera drauf.

Zuerst nahm Markus sich die Kakerlake vor. Er wirkte noch etwas unsicher, ob man die jetzt komplett mit Panzer essen sollte, aber schliesslich biss er beherzt rein und kaute. „Gar nicht so schlimm“, meinte er dann schulterzuckend. Und dann kam die Vogelspinne. Der erste Biss erwischte ein haariges Bein! Als ich auf seine Hand schaute, in der der Rest der Spinne lag, sah ich, dass sie stark zitterte. Ganz so cool wie er tat, war er also doch nicht. Er gab dann auch zu, dass ihm plötzlich doch etwas mulmig zumute sei. Verständlich! Und dann kam das Beste – oder sagen wir: das absolut Unnötigste – auf meine Frage hin: „Und, wie hat’s geschmeckt?“ Seine Antwort: „So ein bisschen wie Popcorn.“ Entschuldigung, bitte was?! Mein geliebtes Popcorn – mein absoluter Lieblingssnack – in einem Atemzug mit Kakerlaken und Spinnen zu nennen, das ist doch einfach nur frech! Ich habe allerdings die restlichen dreieinhalb Stunden der Busfahrt mit einem etwas flauen Magen verbracht. Die Bilder gingen mir einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Siam Reap

Tag 60

Montag, 28. Oktober 2008
Gleich nach dem Frühstück mieteten wir einen Tuk-Tuk-Fahrer, der uns den ganzen Tag durch die Gegend chauffierte. Unser Ziel: ein paar der unzähligen Tempel rund um Siem Reap zu erkunden. Die Auswahl ist hier riesig, deshalb entschieden wir uns gleich für den 3-Tages-Pass, der mit 40 Dollar zwar nicht ganz günstig ist, aber sich absolut lohnt. 

Unser erster Stopp war Angkor Thom – die „Grosse Hauptstadt“. Einst lebten hier rund eine Million Menschen innerhalb der beeindruckenden Stadtmauern. Der Königshof, Priester, Beamte und Staatsdiener wohnten innerhalb der Befestigungen, das einfache Volk siedelte ausserhalb. Als Einstieg war diese riesige Anlage bereits sehr beeindruckend – gewaltige Tore, majestätische Tempel und eine ganz besondere Atmosphäre. Überhaupt, die Stimmung hier rund um die Tempelanlagen ist kaum in Worte zu fassen – ruhig, fast magisch, voller Energie und Geschichte. Es fühlt sich an, als wäre man in eine andere Zeit eingetaucht. Ein ganz besonderes Highlight war für uns der Ta Prohm-Tempel – bekannt aus dem Film "Tomb Raider". Hier haben sich Natur und Bauwerk auf einzigartige Weise verbunden. Riesige Kapok- und heilige Feigenbäume umschlingen mit ihren gewaltigen Wurzeln die uralten Mauern und Türme.  Es sieht aus wie aus einer anderen Welt – gleichzeitig wild, verwunschen und faszinierend.

Zum Abschluss des Tages besuchten wir noch den kleineren, aber sehr charmanten Prasat Kravan. Dieser Tempel besteht aus roten Ziegelsteinen und wurde erst kürzlich aufwendig restauriert. Auf dem Rückweg in die Stadt legten wir noch einen besonderen Zwischenstopp ein. Im Kinderspital von Dr. Beat Richner – einem Schweizer, der hier Grosses geleistet hat. Ich entschied mich spontan, Blut zu spenden. Ein kleiner Beitrag, der hoffentlich viel bewirken kann. Am Abend trafen wir im Hotel auf "Sabrina", ebenfalls aus der Schweiz. Sie lebt seit zwei Monaten hier in Siem Reap und bleibt voraussichtlich zwei Jahre. Freundlicherweise lud sie uns ein, für drei Nächte bei ihr zu übernachten. Was für ein Glück! Ihre kleine Wohnung ist wunderschön und gemütlich – wir fühlten uns sofort wohl und genossen die Gastfreundschaft sehr. Endlich mal wieder ein Ort, der sich ein bisschen wie „Zuhause“ anfühlt – nach all den vielen Hotelzimmern eine richtig schöne Abwechslung.

Siam Reap

Tag 61

Dienstag, 29. Oktober 2008
Heute Morgen schüttete es wieder wie aus Kübeln. Oh je, hoffentlich hört der Regen bald auf – schliesslich wollten wir heute den ganzen Tag Tempel in Angkor erkunden. Zum Glück liess der Regen nach etwa drei Stunden nach, sodass wir unsere geplante Tour starten konnten. 

Als erstes fuhren wir mit dem Tuk-Tuk rund 30 Kilometer zum Banteay Srei. Dieser Tempel liegt am weitesten entfernt und war das erste Bauwerk in Angkor, das bereits 1931 restauriert wurde. „Banteay Srei“ – die „Zitadelle der Frauen“ – gehört zu den am besten erhaltenen Monumenten der Anlage. Wir hatten zwar etwas mehr erwartet, da uns viele von diesem Tempel vorgeschwärmt hatten. Trotzdem war er beeindruckend und sehr imposant, auch wenn uns andere Tempel bislang noch mehr fasziniert haben. Anschliessend ging es weiter zum Pre Rup – was so viel bedeutet wie „den Leichnam umbetten“. Dieser Tempel steht auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel aus Laterit und wurde im Jahr 961 oder Anfang 962 geweiht. 

Hier verbrachten wir viel Zeit und liessen die besondere Atmosphäre ganz bewusst auf uns wirken. Den Abschluss des Tages bildete ein längerer Besuch im Tempel Banteay Kdei, dessen Name „Zitadelle der Zellen“ auf die vermuteten Wohnstätten der Mönche verweist. Die Anlage ist riesig, bereits stark zerfallen und von Moos überwuchert – genau das machte aber ihren besonderen Reiz aus. Wenn man durch die verwinkelten Gänge schlendert und die kunstvollen, in Stein gemeisselten Figuren und Stuckaturen betrachtet, fühlt man sich fast wie in einer mystischen Welt.

Siam Reap

Tag 62

Mittwoch, 30. Oktober 2008
Heute Morgen stand der krönende Abschluss unserer Tempeltour mit dem berühmten Angkor Wat auf dem Programm. Doch schon beim Aufwachen wurden unsere Pläne von lautem Regenprasseln durchkreuzt.

Zwar hofften wir, dass der Regen wie am Vortag bald nachlassen würde, doch diesmal hielt der Dauerregen unermüdlich an. Sogar die Strassen begannen langsam zu überfluten. Markus liess sich davon nicht aufhalten und machte sich trotz des nassen Wetters mit dem Fahrrad auf, um die Stadt zu erkunden. Mir war der Spass jedoch zu nass, deshalb blieb ich lieber zu Hause, kuschelte mich aufs Sofa und vertiefte mich in mein spannendes Buch (bis jetzt sind es schon zehn – na ja, bei so viel Zeit kein Wunder!). Endlich, am Nachmittag, liess der Regen nach und wir schnappten uns unsere gemieteten Charity-Fahrräder, um den Tempel Angkor Wat zu besuchen – ein bisschen Sport musste schliesslich sein.

 „Angkor Wat“ bedeutet übersetzt „Königliche Stadt, die ein Kloster ist“ und ist mit Abstand das berühmteste Bauwerk von Angkor. Dank des Regenmorgens hatten wir den perfekten Zeitpunkt erwischt. Die Sonne brach langsam durch die Wolken und verlieh dem ohnehin schon beeindruckenden Tempel eine fast magische Atmosphäre. Die Anlage war so gross und faszinierend, dass wir gleich mehrere Stunden dort verbrachten und wurden mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang belohnt. Besser hätte unser letzter Tempeltag kaum sein können!

Phnom Penh

Tag 63

Donnerstag, 31. Oktober 2008
Uij, heute Morgen hiess es wieder früh aufstehen, denn unser Bus brachte uns in sechs Stunden zurück nach Phnom Penh zurück. Wirklich schade, denn in Siem Reap hatte es uns viel besser gefallen. Doch leider startete unser Flug von dort aus nach Bangkok.

Dafür blieb uns noch Zeit, das berüchtigte Gefängnis "S-21" zu besichtigen. S-21 steht für „Security Office 21“ – hier wurden ab 1975 unter der Herrschaft der Khmer Rouge Menschen inhaftiert, verhört und gefoltert, die von der Organisation als Feinde oder Gegner der Revolution angesehen wurden. Zunächst traf es Offiziere, Politiker und Sympathisanten der Lon Nol-Regierung. Zwischen 1975 und 1978 waren hier insgesamt 10499 Gefangene eingesperrt, die später auf den sogenannten „Killing Fields“ ermordet wurden. Besonders erschütternd: Laut der akribischen, wenn auch grausamen Bürokratie der Zeit, waren darunter auch 2000 Kinder, die in den offiziellen Statistiken nicht verzeichnet waren. Der Rundgang durch die Räume, Zellen und Folterkammern war sehr beeindruckend und liess uns schweigen und tief nachdenken. 

Der anhaltende Starkregen draussen verstärkte die ohnehin schon düstere und beklemmende Atmosphäre noch zusätzlich. Am nächsten Nachmittag brachte uns ein kleines Flugzeug in nur einer Stunde nach Bangkok. Am Abend bezogen wir unsere Unterkunft nahe der belebten Rambuttri Road, ganz in der Nähe der berühmten Khao San Road. Doch sowohl Markus als auch ich waren gesundheitlich angeschlagen – er mit starken Kopfschmerzen wegen einer Erkältung, ich mit heftigen Bauchschmerzen. Nach dem Einchecken um 20 Uhr waren wir beide so erschöpft, dass wir sofort ins Bett fielen und bis zum Morgen durchschliefen.

Thailand


Thailand, auch bekannt als das „Land des Lächelns“, ist ein faszinierendes Land in Südostasien, das mit seiner reichen Kultur, atemberaubenden Natur und herzlichen Gastfreundschaft Menschen aus aller Welt begeistert. Mit seinen goldenen Tempeln, tropischen Stränden, lebendigen Städten und einer traditionsreichen Küche bietet Thailand eine einzigartige Mischung aus alten Traditionen und modernem Leben. Von der pulsierenden Hauptstadt Bangkok über die historischen Stätten in Ayutthaya bis hin zu den traumhaften Inseln im Süden – Thailand ist ein Land voller Vielfalt und Gegensätze, das sowohl kulturell als auch landschaftlich viel zu bieten hat. 

Bangkok

Tag 65

Sonntag, 2. November 2008
Die Sonne strahlte warm durch das Fenster, und wir standen voller Energie auf – endlich konnten wir es richtig realisieren.  Wir sind in unserem letzten Reiseland angekommen! 

Juhuuu, mehr als drei Wochen Thailand liegen noch vor uns, mit garantiert schönem Wetter, traumhaften Stränden und ausgiebigem Relaxen. Vor lauter Vorfreude, endlich in Bangkok zu sein, stürzten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück direkt in das bunte Treiben der Khao San Road, um zu shoppen. Wow, hier hat sich seit unserem letzten Besuch vor sechs Jahren wirklich einiges verändert! Die Händler an den Ständen sind längst nicht mehr aufdringlich, sondern lassen uns in Ruhe stöbern – das macht das Einkaufen gleich doppelt so schön.

Wir konnten einfach nicht widerstehen und kamen am Abend mit prall gefüllten Plastiktüten zurück. Oh je, wie sollen wir das nur alles wieder mit nach Hause nehmen? Schon vor dem Einkauf wog unser Backpacker jeweils 17 Kilo, und nur 20 Kilo sind erlaubt. Aber egal, wir finden bestimmt eine Lösung. Nach zwei Monaten ohne Shopping war das jetzt einfach ein Muss und bei den Preisen hier ist alles wirklich supergünstig! Den Abend liessen wir schliesslich entspannt auf der Rambuttri Road ausklingen, zwischen gemütlichen Bars und Restaurants, bei ein paar kühlen Bierchen.

Krabi

Tag 66

Montag, 3. November 2008
Am Mittag schlenderten wir noch einmal gemütlich über die Khao San Road, bevor wir uns am Nachmittag eine 45-minütige Gesichtsbehandlung gönnten – und das war wirklich der Hammer! So etwas hatten wir uns bisher nie gegönnt, doch es war einfach fantastisch. 

Verschiedene Massagetechniken, Cremes, Peelings, eine wohltuende Packung, eine erfrischende Orangenabkühlung mit anschliessender Dampfbehandlung und natürlich durften die kalten Gurkenscheiben nicht fehlen. Zum Abschluss gab es noch eine sanfte Massage und eine Schutzcreme gegen die Abgase der Stadt. Purer Luxus! Unser Gesicht fühlte sich danach um Jahre jünger an. Obwohl die Massage direkt an der Strasse stattfand, wo die Leute vorbei liefen und TukTuks vorbeirauschten, konnten wir vollkommen entspannen – ich habe sogar ein paar Minuten gedöst. Schlafen kann ich eben überall! Dieses Verwöhnprogramm müssen wir definitiv vor unserer Heimreise noch einmal wiederholen. Um 19 Uhr ging es dann mit dem Sleepingbus weiter nach Krabi. 

Von Luxus mit Betten, wie wir ihn in Vietnam erlebt hatten, war hier aber nichts zu spüren. Es war ein ganz normaler Bus, dessen Sitze sich nur ein bisschen zurückklappen liessen. Der Name „Sleepingbus“ war da also etwas übertrieben. Nach über zwölf Stunden Fahrt kamen wir bei strahlendem Sonnenschein und schon hohen Temperaturen am nächsten Morgen um 9 Uhr in Krabi an. Gemeinsam mit einer deutschen Reisenden teilten wir uns ein Taxi bis zum Hafen und setzten dann mit einem Longboat zur Railay Beach über. Traumhaft! Endlich sind wir wieder in einem Paradies angekommen: perfektes Wetter, ein wunderschöner Holzbungalow, viele Backpacker, leckeres Essen, ein traumhafter Strand mit weissem Sand und türkisblauem Meer – und natürlich die beeindruckenden Kalksteinfelsen, die die Bucht umrahmen.

Krabi

Tag 72

Donnerstag, 6. November 2008

Ach, hier auf dieser Insel lässt es sich wirklich richtig gut leben! Wir sind jetzt schon drei Tage hier und geniessen traumhaftes Wetter. Den ganzen Tag liegen wir am Strand, tauchen ins Meer ein und schlemmen das fantastische, würzige Thai-Essen in vollen Zügen. 

Heute haben wir mal eine andere Bucht erkundet und sind an einem noch schöneren Strand gelandet, der auf einer Seite von einer riesigen Felswand eingerahmt wird! Am Nachmittag tauchte plötzlich eine riesige Affenbande auf, Makkaken, die sich ganz nah zu uns Menschen wagten. Die wissen genau, warum, denn hier gibt es leckeres Essen von den Touristen. Einige gaben ihnen Bananen, und wir beobachteten das wilde Treiben mitten unter den Affen. Ich setzte mich ganz ahnungslos an den Rand auf ein kleine Mauer – und plötzlich kam einer von der Seite, umklammerte ganz hilfesuchend meinen Arm, als wäre ich seine beschützende Mutter. Der kleine Kerl fand so Gefallen daran, dass er auf meine Schulter kletterte und es sich auf meinem Kopf gemütlich machte. Und es hörte nicht auf. Ein zweiter schloss sich an und kuschelte sich an mich. Am Ende hatte ich zwei dieser flinken Gesellen auf mir sitzen und so klein sind die gar nicht, wie man allenfalls denken kann! Eigentlich träumt doch jeder davon, mal so süsse Affen aus nächster Nähe zu erleben, oder?

Doch dann wurde es unangenehm, als sie anfingen, mich mit kleinen Bissen und Knabberattacken zu „lieben“ – einer biss mich sogar in meine Wange! Das war überhaupt nicht mehr niedlich, sondern richtig unangenehm. Von einem Affen gebissen zu werden, ist echt gefährlich. Die Viecher tragen tausend Bakterien mit sich und gegen Tollwut bin ich vermutlich gar nicht geimpft. Also hiess es: schnell, schnell weg hier! Leider war das gar nicht so einfach. Markus schaute mich nur mit grossen Augen an, völlig ratlos, wie er mir helfen sollte, ohne dass einer von uns gebissen wird. Irgendwie gelang es mir dann, die Affen abzuschütteln, und ich suchte schnell das Weite. Komisch, die Affen scheinen irgendwie immer mich auszusuchen. Schon auf Bali hatte ich genau dasselbe erlebt. Von nun an werde ich ihnen besser aus dem Weg gehen – so süss sie auch sind! Am Abend assen wir dann mit drei Deutschen ausgiebig zu Abend und liessen den gemütlichen Tag mit einem kühlen Bier ausklingen.

Krabi

Tag 73

Freitag, 7. November 2008
An diesem Morgen zeigte sich das Wetter leider nicht so strahlend wie an den Tagen zuvor. Der Himmel war leicht bewölkt, dafür angenehm warm, nicht zu heiss. Deshalb änderten wir spontan unseren Tagesplan. Wir packten unsere Sachen und liefen gemeinsam mit unserer Bungalow-Nachbarin Claudia zum Outdoor-Kletterzentrum, wo wir für den Nachmittag jeweils einen halbtägigen Kurs buchten. 

Ich, der Vollidiot, hatte schon am frühen Morgen – zum zweiten Mal in diesen Ferien – meine Arme mit dem Thera-Band trainiert, ohne zu ahnen, dass ich damit meine Kraft schon vor dem Klettern völlig ausgesaugt hatte. Super, jetzt fühlte ich mich schon total schlapp! Nach der Buchung um 12 Uhr liefen wir zurück und merkten schnell, dass wir vorher dringend noch etwas essen mussten. Unser Appetit war grösser als der Verstand, und so bestellten wir drei ein extrem scharfes Red Curry mit viel Gemüse, Kokosnusssauce und Reis – dazu einen Liter Wasser zum Löschen. In einer Stunde sollten wir die Felswand hochklettern und fühlten uns jetzt schon völlig überfüllt und bestimmt hundert Kilo schwerer. Dann ging’s los. Claudia, die Erfahrene, stieg als Erste souverän die Wand hoch und dann war ich dran. Puh, das war doch nochmal etwas ganz anderes als damals in der Halle, als ich vor etwa neun Monaten meinen ersten Versuch startete. Eigentlich habe ich ein bisschen Höhenangst, doch diesmal lief es viel besser. Klar, ich hatte Respekt und ein bisschen Angst, aber insgesamt klappte es richtig gut.

Markus, unser Alleskönner, hatte zwar am Anfang eine kleine Schwäche, aber schon bald war er oben und meisterte alle Aufstiege ohne Probleme. Ganz zum Schluss jedoch verlor er nach etwa fünf Versuchen seine Kraft und schaffte den schweren Aufstieg nur bis zur Hälfte. Man sah, wie sehr er kämpfte und dass sein Ehrgeiz ungebrochen blieb. Für diese schwere Route fehlte ihm aber einfach noch die nötige Technik. Aber gekämpft hat er wie ein Stier! Mein persönlicher Höhepunkt war der rund 60 Meter hohe Aufstieg. Fast ganz oben verliess mich dann meine Kraft, doch mit dem letzten Quäntchen Energie, Ehrgeiz und Willenskraft schaffte ich es bis ganz nach oben. Juhuuu! Die Aussicht von dort oben auf unsere wunderschöne Bucht war einfach der Hammer und hat all die Anstrengung mehr als entschädigt. Zum Schluss versuchte ich noch eine weitere Route, musste aber schnell aufgeben – ich war definitiv total ausgepowert. Der ganze Nachmittag hat uns unglaublich viel Spass gemacht, und das eher teure Kursgeld hat sich definitiv gelohnt. Am Abend waren wir beide super stolz auf uns und konnten richtig spüren, dass wir heute etwas geleistet hatten.

Krabi

Tag 74

Samstag, 8. November 2008
Gestern Abend, nach dem Essen, schlenderten wir zur „Last Bar“, um uns ein kühles Bier zu gönnen. Die Jungs hatten gehört, dass dort an diesem Abend ein Thaiboxkampf stattfinden sollte. Und tatsächlich, wir kamen genau zum richtigen Zeitpunkt.

Zwei kleine, aber unglaublich durchtrainierte Thais standen sich bereits gegenüber und begannen den Kampf. Zunächst dachten wir, es würde sicher kein allzu professioneller Fight werden. Doch kaum hatte die erste Runde begonnen, kämpften die beiden mit enormer Wucht, Power, Geschick und heftigen Schlägen gegeneinander. Ich war regelrecht entsetzt! Es war wirklich brutal, und ich spürte fast jeden Schlag mit. Ganz ehrlich: Für mich ist das eine ziemlich harte und fragwürdige Sportart. Nach der vierten Runde gab es dann tatsächlich ein K.o. Einer der Kämpfer landete mit einem Faustschlag mitten im Gesicht, und sein Kopf schlug mit solcher Wucht auf den Betonboden, dass er sofort liegen blieb.

Mein Körper begann zu zittern, mir wurde schwindlig und übel. Warum tun sich Menschen das nur an? Im Anschluss gab es noch eine Schlangenshow. Doch als wir sahen, wie sorglos die Tiere behandelt wurden – und auch wenn Schlangen nicht gerade unsere Lieblingstiere sind, sind es trotzdem Lebewesen – verliessen wir die Bar schnurstracks. Müde und nachdenklich gingen wir nach Hause und versuchten, trotz des Erlebten, einzuschlafen. Mir fiel das allerdings alles andere als leicht.

Krabi

Tag 75

Sonntag, 9. November 2008
Heute Morgen zeigte sich die Sonne leider wieder nicht – schon der dritte Tag in Folge. Es ist zwar schön warm, aber die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass man sich bei jeder körperlichen Anstrengung beinahe zu Tode schwitzt. Den ganzen Tag über ist es eher dunkel und düster, sodass man kaum sagen kann, ob es gerade Morgen, Mittag oder schon Nachmittag ist.

Aber im Grossen und Ganzen sind wir einfach froh, wenn es wenigstens nicht regnet. Nach dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg, denn heute wollten wir unseren Hausberg erklimmen. Dort gibt es einen schönen Aussichtspunkt und eine Lagune mit eigenem Strand, obwohl der Abstieg dorthin angeblich sehr schwer sein soll. Aber wir wollten es einfach mal ausprobieren. Unser kleines Pech war, dass wir unsere Turnschuhe in Bangkok vergessen hatten und den Aufstieg deshalb in Flip-Flops bewältigen mussten. Der Aufstieg verlief erstaunlich gut. Wir fühlten uns fast wie an der Kletterwand und es machte uns riesigen Spass. Oben angekommen, liefen wir durch dichten Dschungel zum Aussichtspunkt. Die Aussicht war wirklich toll – nur leider störte ein lauter Generator vom Hotel direkt darunter die ansonsten idyllische Stimmung. Weiter ging es zur Lagune hinunter, wo uns riesige Bäume und Palmen empfingen. So grosse Palmenblätter hatten wir noch nie gesehen!

Hier fühlten wir uns fast wie Tarzan und Jane. Doch der Abstieg wurde immer steiler, rutschiger und gefährlicher. Die Lagune konnten wir zwar sehen, aber ich entschied mich, nicht weiter hinabzuklettern. Das wurde mir einfach zu riskant und mit Flip-Flops waren wir sowieso nicht optimal ausgestattet. Markus hingegen wagte den Abstieg und rief mir mit einem beeindruckenden Echo zu, dass er es geschafft hatte. Ich war mega erleichtert, als er heil und unverletzt wieder bei mir ankam. Gemeinsam machten wir uns dann an den Abstieg und liefen schliesslich zum Strand, um uns abzukühlen und den Schlamm und Dreck abzuwaschen. Doch als ich mein Badetuch ausbreitete, bemerkte Markus entsetzt, dass er seins oben auf einem Stein vergessen hatte – genau dort, wo er den letzten schweren Abstieg zur Lagune gewagt hatte. Für mich nichts Neues, denn er vergisst ja immer mal wieder etwas.

Phi Phi Island

Tag 78

Mittwoch, 12. November 2008
Die letzten drei Tage am Rai Leh Beach regnete es immer wieder und langsam machte sich bei uns Langeweile breit. Deshalb beschlossen wir, das 9-Uhr-Speedboot zu nehmen und weiter nach Phi Phi Island zu reisen. Natürlich strahlte an diesem Morgen die Sonne in voller Pracht, als wollte uns die Insel noch einmal von ihrer schönsten Seite zeigen.

Die zweistündige Bootsfahrt verging wie im Flug und wir holten uns prompt einen leichten Sonnenbrand. Vor sechs Jahren waren wir schon einmal auf Phi Phi Island und damals hatte es uns nicht so gut gefallen. Die atemberaubenden Kalksteinfelsen waren beeindruckend, doch die Einheimischen wirkten eher unfreundlich. Trotzdem wollten wir der Insel nach dem Tsunami eine zweite Chance geben, zumal sie die nächstgelegene war. Besonders gut gefiel uns damals das Tauchen und bisher haben Markus und ich noch keinen einzigen Tauchgang gewagt. Irgendwie ergab sich die Gelegenheit nie. Mal sehen, ob wir es diesmal schaffen, die grossen Haie von Phi Phi zu begrüssen! Bei unserer Ankunft waren wir positiv überrascht. Das bunte Treiben und die vielen Touristen gefielen uns sofort. Wie beim letzten Mal wurden wir von Einheimischen förmlich belagert, die uns eine Unterkunft anbieten wollten. Natürlich suchten wir etwas Günstiges, idealerweise einen Bungalow am Strand. Leider war vieles bereits ausgebucht, also entschieden wir uns, für eine Nacht zu dritt in einem Zimmer zu bleiben.

Unsere deutsche Bungalow-Nachbarin Claudia vom Rai Leh Beach reiste mit uns mit. Für den nächsten Tag hatten sie uns zwei separate Bungalows am Hang versprochen. Leider war die Unterkunft ziemlich muffig und schimmlig, also machten wir uns sofort auf die Suche nach Alternativen. Am Abend schlenderten wir durch die Strassen und bemerkten, wie viel sich hier verändert hatte – für uns zum Positiven. Besonders erfreut waren wir über die schönen und überraschend günstigen Restaurants, denn uns hatte man vorher gesagt, dass hier alles doppelt so teuer sei wie am Rai Leh Beach. Wir genossen ein leckeres japanisches Abendessen für nur 7,50 Euro. Markus ass natürlich so viel, bis er fast platzte. Nach dem Essen gingen wir zum Strand, wo wir einer thailändischen Frau eine wunderschöne Opfergabe abkauften. Gemeinsam liessen wir diese zu einer Feier zu Ehren Buddhas ins Wasser gleiten. Das Ritual soll „Good Luck“ für die Zukunft bringen – das können wir beide gut gebrauchen. Es war wirklich bezaubernd, all die schwimmenden Opfergaben im Meer treiben zu sehen und dieses besondere Spektakel mitzuerleben. 

Phi Phi Island

Tag 80

Freitag, 14. November 2008
Nun liegen wir schon den dritten Tag entspannt am Strand, geniessen die Sonne und das süsse Nichtstun. Ahh – wie herrlich! Genau so stellt man sich Urlaub vor. Gestern haben wir zudem eine traumhaft schöne neue Unterkunft gefunden.

Eine kleine Bungalowanlage mit nur acht Unterkünften, von denen jede ihren ganz eigenen Charme versprüht. Alles ist mit viel Liebe zum Detail, handwerklichem Geschick und einer ordentlichen Portion Kreativität gestaltet worden. Besonders die individuell designten Badezimmer haben es uns angetan – sie sind einfach der Hammer! Überall blühen Blumen, und mit all den liebevollen Accessoires fühlt man sich, als würde man mitten im Dschungel duschen. Leider ist auch hier ein leichter Muffgeruch in der Luft (wobei ich die Einzige bin, die ihn bemerkt – aber ich habe nun mal eine ausgeprägte Spürnase, fast wie ein kleiner Spürhund).

 Am Strand lassen wir uns regelmässig vom italienischen Restaurant "Ciao Bella" verwöhnen. Statt eines klassischen Frühstücks haben wir dort mittlerweile schon zum dritten Mal lieber einen frischen, bunten Mixsalat mit Balsamicodressing und Olivenöl bestellt – etwas, das wir in der Schweiz schmerzlich vermisst haben und hier bisher nirgends sonst finden konnten. Dazu teilen wir uns jedes Mal eine riesige, unglaublich leckere Pizza. Einfach grandios! 

Phi Phi Island

Tag 81

Samstag, 15. November 2008
An diesem wunderschönen, warmen Morgen machten wir uns auf den Weg zum „View Point“ von Phi Phi Island. Von hier oben bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf die beiden Buchten der Insel – eine Kulisse, die heute kaum noch erahnen lässt, welches Ausmass die Zerstörung vor vier Jahren hatte, als der Tsunami die gesamte Region überflutete. 

Vergleicht man Fotos von damals und heute, wird einem erst bewusst, wie viel sich verändert hat. Die Wucht der Naturkatastrophe, die so viele Menschenleben forderte und alles mit sich riss – Häuser, Boote, Existenzen –, wird hier oben plötzlich greifbar. Und doch bleibt es schwer, sich wirklich vorzustellen, wie es gewesen sein muss, wenn man es nicht selbst erlebt und überlebt hat. Einer, der genau das getan hat, ist Noi – der Besitzer eines kleinen Restaurants direkt am Aussichtspunkt. Er war damals mittendrin, hat mit eigenen Augen gesehen, wie alles um ihn herum verschwand.

Wenn er seine Geschichte erzählt, läuft es einem eiskalt den Rücken hinunter. Es ist erschütternd und gleichzeitig unglaublich bewundernswert, mit welcher Kraft und Hoffnung viele Überlebende ihr Leben wieder aufgebaut haben. Trotz allem ist es beeindruckend zu sehen, wie viel inzwischen wieder entstanden ist. Neue Häuser, neue Geschäfte, neue Perspektiven. Die Menschen hier blicken nach vorn – mit Mut, Stärke und einer bemerkenswerten Lebensfreude. Und genau das spürt man auf dieser Insel an jeder Ecke. 

Ko Lanta

Tag 83

Montag, 17. November 2008
Heute Morgen verabschiedeten wir uns früh von unserem wunderschönen Bungalow, mit einem letzten Blick auf den Garten und einem kurzen Spaziergang hinunter zum Strand, wo wir uns noch einmal von Phi Phi Island verabschiedeten. 

Zum Mittagessen gönnten wir uns – wie eigentlich jeden Tag – unseren geliebten frischen Salat und eine gemeinsame Pizza Margherita. Und wieder einmal war es einfach nur köstlich.Um 15:30 Uhr legte unser Speedboot ab und brachte uns in gut einer Stunde nach Ko Lanta – unserem zweitletzten Stopp auf dieser Reise. Auch hier waren wir schon vor sechs Jahren, und weil es uns damals so gut gefallen hatte, war klar: Wir wollten unbedingt nochmal zurückkommen. Direkt am Pier wurden wir wieder von zahlreichen Einheimischen empfangen – jeder bot uns eine Unterkunft an.

 Wir entschieden uns für eine kleine, einfache Bungalowanlage direkt am Meer. Und als wir dort ankamen, konnten wir unser Glück kaum fassen: Wieder ein kleines Paradies! Die Anlage besteht nur aus wenigen, charmant gebauten Bungalows, ganz schlicht, aber mit viel Herz geführt. Alles wirkt familiär, ruhig und gemütlich – genau der richtige Ort, um die letzten Urlaubstage entspannt am Strand zu verbringen. Jetzt bleibt uns nur noch eine Woche. Und wie so oft gegen Ende einer Reise wünschen wir uns plötzlich, wir könnten noch länger bleiben. Trotzdem freuen wir uns natürlich auch auf Zuhause.

Ko Lanta

Tag 84

Dienstag, 18. November 2008
Ah, wie schön ist es hier doch! Morgens scheint schon die Sonne durchs Fenster unseres Bungalows, und um richtig wach zu werden, lege ich mich erst mal entspannt in die Hängematte und geniesse die absolute Ruhe. Markus bereitet wie jeden Morgen unseren eigenen Kaffee zu – seit den Philippinen haben wir unseren kleinen, handlichen Wasserkocher dabei.

Für keine zwei Franken gekauft, ist dieses Gerät auf der ganzen Reise für uns Goldwert gewesen. Denn wirklich guten Kaffee gibt es hier nirgendwo, und so können wir zumindest unseren feinen Nescafé selbst zubereiten. Nach einem Frühstück mit frischen Früchten, Müsli und Joghurt (diesmal also keine Pizza oder Salat mehr) haben wir uns für drei Tage ein Mofa gemietet, um die wunderschönen Strände auf Ko Lanta zu erkunden. Als erstes steuerten wir den Norden an – den Hafenort Saladan –, um ein bisschen zu shoppen und im Supermarkt das Nötigste einzukaufen. Danach ging es weiter zur Relax Bay. Wie der Name schon verspricht, verbrachten wir dort einen faulen, entspannten Nachmittag.

 Wir beide sind am Strand eingeschlummert und wurden erst wieder wach, als uns grosse Regentropfen trafen. Also schnell zusammenpacken und durch den plötzlich einsetzenden Platzregen zum Mofa laufen – natürlich schon komplett durchnässt. Mist! Jetzt mussten wir bei strömendem Regen zurückfahren. Auf den Strassen hatten sich riesige Pfützen gebildet, und der Regen prasselte wie Hagelkörner auf uns nieder. Doch zum Glück brachte Markus uns sicher zurück zum Bungalow. Puh, auch diesmal ging alles gut. Nach dem kurzen, heftigen Gewitter wurden wir mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt – ein perfekter Abschluss für den Tag.

Ko Lanta

Tag 85

Mittwoch, 19. November 2008
Ach, immer wenn ich hier vom schönen Wetter schwärme, schlägt es am nächsten Tag demonstrativ um – echt fies! Mit Baden und Sonnen ist im Moment also leider nichts. Stattdessen sind wir noch ein bisschen mit dem Moped über die Insel gekurvt – solange es trocken blieb.

Auf Ko Lanta ist übrigens nur die Westküste bewohnt. Sie ist übersät mit lauter herzigen Bungalow-Anlagen (leider entstehen inzwischen auch immer mehr grosse Hotelkomplexe). Uns hat es total Spass gemacht, die Insel zu erkunden – alle paar Meter entdeckten wir neue, liebevoll gestaltete Anlagen. Ganz oben auf einem Hügel, versteckt über den Klippen, stiessen wir auf ein absolut geniales Insider-Restaurant: die "Simple Bar". Der Name ist Programm – die Bar wurde auf ganz einfache Weise gebaut, aus Bambus, mit sechs kleinen, gemütlichen Lounges, direkt mit Blick aufs Meer.

Hier oben kann man in aller Ruhe und total romantisch essen – oder einfach nur ein Bierchen zum Sonnenuntergang geniessen. Wir waren begeistert und blieben gleich über eine Stunde dort. Direkt unterhalb der Bar lag sogar eine verlassene Bucht mit eigenem Strand – ganz für sich allein! Leider wurde der Himmel dann immer dunkler, und wir machten uns schleunigst auf den Heimweg, damit wir diesmal nicht wieder bis auf die Unterhosen durchnässt werden.

Ko Lanta

Tag 86

Donnerstag, 20. November 2008
Leider zeigte sich das Wetter auch heute nicht von seiner besseren Seite. Also verbrachten wir den Tag entspannt in der Hängematte mit Lesen und spazierten zwischendurch am Strand, wo wir nach Muscheln suchten. Gegen Mittag machten wir noch einen kurzen Abstecher in die Stadt, um dort eine Kleinigkeit zu essen. 

Doch kaum angekommen, zog sich der Himmel schon wieder bedrohlich zu – also traten wir rasch den Rückweg an. Natürlich erwischte uns auch diesmal wieder der Regen (wir gewöhnen uns langsam an das Schweizer Klima zurück, könnte man sagen). So hatten wir uns unsere letzten Tage hier auf Ko Lanta zwar nicht vorgestellt – aber wir geniessen sie trotzdem. Der Tag des Abflugs rückt nun endgültig näher. Am Abend wagten wir uns dann doch noch einmal mit dem Moped raus. Wir hatten den festen Vorsatz, unsere damalige Bungalow-Anlage von vor sechs Jahren wiederzufinden. Zum Glück erinnerten wir uns noch an den Namen – Emerald Bungalows – denn ohne den hätten wir die versteckte Einfahrt wohl nie mehr entdeckt.

Im Grossen und Ganzen sah alles noch so aus wie früher – nur eben grösser und luxuriöser. Echt schade! Damals lebten wir dort ganz einfach, in kleinen, herzigen Strohhütten, mit einem familiären Restaurant direkt am Strand. Heute gibt es einen Swimmingpool, Billardtische und ein vergrössertes Restaurant. Zum Glück fanden wir aber noch ein paar gemütliche Lounges mit Blick aufs Meer – sie erinnerten uns sofort an frühere Zeiten. Also setzten wir uns bei Kerzenlicht, mit chilliger Musik im Hintergrund, und bestellten unser Abendessen. Ein perfekter Abschluss für einen sonst eher grauen Tag.

Bangkok

Tag 88

Samstag, 22. November 2008
Gestern war mal wieder so ein richtig fauler Tag – einfach nur rumliegen, lesen und ein bisschen Muscheln sammeln am Strand. Das Wetter wollte sich zwar immer noch nicht bessern, aber unseren letzten Tag am Meer haben wir trotzdem in vollen Zügen genossen.

In unserer Bungalow-Anlage, hatten wir echt eine super Truppe um uns: die beiden Basler-Mädels Yvonne und Isabelle, der ständig Witze reissende Alex aus Solothurn und ein süsses Pärchen aus England. Mit lustigen Gesprächen, einer Runde Yazzi, gemeinsamem Abendessen und jeder Menge Gelächter verging der Tag wie im Flug. Am nächsten Mittag – Punkt 12 Uhr – wurden wir dann von einem Minivan abgeholt, der uns in etwa drei Stunden zurück nach Krabi brachte. Dort stiegen wir um 17 Uhr in den Nachtbus Richtung Bangkok. Wir zwei „schlauen Käfer“ stürzten uns natürlich als Erste in den Bus und schnappten uns gleich die besten Plätze ganz vorne.

Phuu, das machte die bevorstehenden 12 Stunden deutlich angenehmer! Wir konnten unsere Beine ausstrecken, sie bequem auf die Ablage legen und hatten obendrein auch noch die beste Sicht auf den Fernseher, der zur Unterhaltung zwei richtig gute Filme zeigte. Morgens um 5 Uhr spuckte uns der Bus an der Khao San Road wieder aus. Von dort spazierten wir direkt zurück zu unserem alten Hotel – dort stimmte einfach das Preis-Leistungs-Verhältnis, und unser deponiertes Gepäck wartete ohnehin schon sehnsüchtig auf uns.

Bangkok

Tag 89

Sonntag, 23. November 2008
Nach dem Einchecken in unserem Hotel waren wir erleichtert. Unser zurückgelassenes Gepäck war tatsächlich noch da! Und zu unserem Glück hatte das Hotel sogar noch ein Zimmer zum gleichen Preis für uns frei. Jackpot!

Nach dem Auspacken fuhren wir mit dem TukTuk ins grosse Einkaufszentrum MBK, wo ich mir zum Frühstück (morgens um 10 Uhr) ein herrlich ungesundes, aber superleckeres „Mic Mac Menü“ gönnte. Hmmmmm, einfach herrlich! Markus hingegen wollte lieber etwas Einheimisches und entschied sich für ein Reisgericht mit Fleisch – für gerade mal 20 Baht (rund 70 Rappen). Doch als er die Box öffnete und den ersten Bissen nahm, warf ich einen Blick auf seinen Teller und meinte: „Weisst du eigentlich, was du da gerade isst?“ Denn das sah für mich eher nach Innereien als nach Rind oder Huhn aus. Uj ja – er merkte dann selbst ziemlich schnell, dass das Fleisch eher undefinierbar war. Tja, seht ihr – darum bleib ich lieber bei meinem geliebten McDonald's. Nach drei Stunden Shopping waren unsere Füsse völlig platt, und wir hatten definitiv genug vom Einkaufen. Zur Rush Hour war klar: Moped-Taxi! Die einzig sinnvolle Fortbewegung in dieser Stadt. So liessen wir uns zurück zur Khao San Road fahren und trafen dort tatsächlich wieder auf die Bündner Weltenbummler aus Küblis, die wir ja schon am Rai Leh Beach kennengelernt hatten. Als es langsam eindunkelte, verabschiedeten wir uns von ihnen und machten uns auf den Weg zurück ins Hotel. Wir merkten jetzt richtig, wie kaputt wir von diesem langen, ereignisreichen Tag waren. Aber für den Abend hatten wir noch ein Highlight geplant – einen Drink in der legendären Skybar Sirocco. Nach einer kalten Dusche waren wir wieder fit, zogen unsere besten Backpacker-Klamotten an und machten uns mit dem TukTuk auf den Weg zu den State Towers. 

Ufff, etwas fehl am Platz fühlten wir uns schon, als lauter aufgemotzte Luxuskarossen vor dem edlen Hotel hielten, aus denen hochgestylte Gäste stiegen und wir zwei tuckerten gemütlich mit dem TukTuk an. Haaaa – immerhin: Für Aufsehen war gesorgt! Der Lift brachte uns in den 64. Stock, wo wir von einer Platzanweiserin freundlich empfangen und direkt zur Aussenlounge geführt wurden. Dort bestellten wir – zugegeben ziemlich teure – Drinks, genossen aber dafür die atemberaubende Atmosphäre und den grandiosen Blick über das nächtliche Bangkok. Einfach magisch. Als wir später gehen wollten, entdeckten wir durch eine andere Glasfront noch eine weitere Bar. Beim Ankommen war uns der Zugang dorthin nämlich verwehrt worden, aber diesmal öffneten wir einfach selbst die Tür und siehe da: Das war die eigentliche Skybar „Sirocco“! Eine gigantische Freiluftbar, angeblich die höchste der Welt. Wow! Live-Jazzmusik, elegante Gäste beim Dinner und eine beleuchtete Bar, die ständig ihre Farbe wechselte – dazu dieser Wahnsinnsblick über die Stadt und alle mit Cocktails in der Hand. Hammermässig schön! Schade nur, dass wir schon unser ganzes Geld für die ersten Drinks ausgegeben hatten. Also blieb uns nur, ein paar Erinnerungsfotos zu schiessen und die besondere Stimmung so aufzusaugen. Todmüde, aber glücklich von diesem wunderschönen und romantischen Abend fielen wir später ins Bett und schliefen tief und fest ein.

Bangkok

Tag 90

Montag, 24. November 2008
Nach dem Einchecken in unserem Hotel waren wir erleichtert. Unser zurückgelassenes Gepäck war tatsächlich noch da! Und zu unserem Glück hatte das Hotel sogar noch ein Zimmer zum gleichen Preis für uns frei. Jackpot!

Nach dem Auspacken fuhren wir mit dem TukTuk ins grosse Einkaufszentrum MBK, wo ich mir zum Frühstück (morgens um 10 Uhr) ein herrlich ungesundes, aber superleckeres „Mic Mac Menü“ gönnte. Und na ja, so richtig gelungen war der neue Haarschnitt dann auch nicht. Gegen Mittag hatten wir zum Glück fast alles erledigt. Die Sonne brannte heftig, und wir waren ziemlich erschöpft – also machten wir uns auf den Rückweg und ruhten uns im Hotel für ein paar Stunden aus. Vor dem Abendessen gönnten wir uns dann noch etwas richtig Schönes. Wir besuchten das superschöne Pai Spa, wo wir uns für umgerechnet gerade mal 10 Franken eine einstündige Thai-Massage gönnten. Diesmal von richtig professionellen Masseurinnen. Es fühlte sich fast ein bisschen wie ein Stretchingkurs an, aber es tat einfach unglaublich gut! Von Kopf bis Fuss wurden wir verwöhnt.  Ach, wie schön das Leben doch sein kann. 

Gleich um die Ecke vom Spa fanden wir dann ein gemütliches Restaurant und gönnten uns ein etwas teureres, aber absolut köstliches Seafood BBQ – mit Tintenfisch, Shrimps und Muscheln. Heute liessen wir es uns wirklich rundum gutgehen und genossen jeden Moment in vollen Zügen. Ja, und morgen heisst es dann schon wieder „Bye-bye, Ferien“. Schade eigentlich. Die letzten Tage und Wochen sind so schnell vergangen! Aber gleichzeitig freuen wir uns auch riesig, wieder nach Hause zu kommen und euch alle endlich wiederzusehen. Morgen wollen wir den letzten Tag nochmal richtig auskosten. Einfach entspannen, lesen, essen – vielleicht gönnen wir uns auch nochmal eine tolle Thai-Massage und kurz vor der Abreise auf jeden Fall noch eine wohltuende Gesichtsmassage. Um 2:30 Uhr in der Nacht (ja, wirklich eine komische Zeit) hebt dann unser Flieger ab und bringt uns mit jeder Stunde ein Stückchen näher an die Schweiz.